Irgendwie ist es gerade schwer brandneues Video-Material im Netz zu finden, aber zum einen gibt es Filme, die man nach Jahren gerne nochmal ansieht und zum anderen sind sie ja alle über Stahlrahmen, die bekanntlich zeitlos sind.

Das folgende Video, von ERTZUI für Rapha produziert, kann man sich also gerne nochmal mit ein paar Jahren Abstand ansehen, insbesondere wenn Ulrich Vogel sowie Rahmenbau-Legende Tiziano Zullo porträtiert wurden.

Selbstverständlich sind wir aber immer offen für Tipps für Videos oder Themen unserer Leserschaft. Also schickt uns gerne eine Email, falls ihr über etwas Sehenswertes gestolpert seid.

Jetzt aber erstmal viel Spaß  mit dem folgenden Video.

Rapha Continental: Hidden Europe – Footprints from RAPHA on Vimeo.

Nach Episode 12 sind wir, in unserem zweiwöchentlichen Rhythmus, nun bei Noras vierzehnter Episode ihrer Reise ans Nordkap angekommen – es bleiben nur noch 6 Tage!
Episode 13 findet ihr hier.
Eine Übersicht aller Episoden findet ihr auf Noras Blog.

RIDE YOUR BIKE! Von Nürnberg zum Nordkap in 30 Tagen. EPISODE 14: On the road (IV)

Es ist der dreiundzwanzigste Tag auf der Straße. Die E45 ist einsam geworden, die Lücken zwischen den Städten, Ortschaften, Gehöften immer größer, bis ich schließlich begreife, dass die Lücken zwischen der Zivilisation nicht größer wurden, sondern nur die Risse in der Natur kleiner.

Jetzt ist sie überall.

Und es sitzt mir jenes leise Wispern im Rücken, das die Ohren spitzt und auf Gefahr lauscht. Ich bin unruhig. Ich bin so viel Wildnis nicht gewohnt. Die Wälder sind endlos um mich, dazwischen Marschland und Totholz.



Ich klammere mich an die Straße wie ein Ertrinkender. Der Teer und die ausgewaschenen Begrenzungslinien werden mir zum letzten Bollwerk der Zivilisation gegen die Wildnis, die alles zu verschlingen droht. Und so scheinen auch die wenigen Höfe, die sich hier verstecken, ihr Heil in der Illusion von Ordnung zu suchen. Das Stück Rasen um die Häuser ist penibel gestutzt und perfektionistisch gepflegt. Pastellfarben-liebliche Deko steht in den Gärten und auf Fenstersimsen und überall herrschen klare Strukturen. Verzweifelt, möchte man sagen, denn nur wenige Meter entfernt beginnt die endlose Wildnis.
Kultivierte Vorgärten neben Rentierleichen. Kultur neben Natur.

Was versuchen wir hier, wenn nicht, die Wildnis im Zaum zu halten. Keeping the wild at bay. Das Englische findet ein passendes Bild dafür. Wir stellen uns gegen die Flut des Wilden, Unbeherrschten und potentiell Unbeherrschbaren. Mit jedem rasierten Rasen. Mit jedem fein säuberlich platzierten Gartenzwerg. Mitten in der Wildnis wird hier Kulturlandschaft geschaffen, ein Mikrouniversum der seeligen Illusion von Sicherheit durch Ordnung. Es erinnert an die Anfangsszene aus M.Night Shyamalans The Village, in der eine Bande pausbäckiger Halbstarker sich der ultimativen Mutprobe stellt: Mit dem Rücken zum tiefen, dunklen Wald, der das Dorf umgibt und von vermeintlichen Ungeheuern heimgesucht wird, stellen und die Augen schließen. Und nicht umdrehen. Egal, was man hört. Nicht umdrehen.

Auch ich schaffe mir mein Mikrouniversum illusionärer Sicherheit. Hier in meinem Zelt. Schließe ich den Reißverschluss und krieche ich in den wohligen Kokon meines Schlafsacks fühle ich mich sicher. Hier herrscht Ordnung. Hier haben alle Dinge ihren von mir zugewiesenen Platz. Hier schaffe ich Kultur in Mikrowelten.

Draußen, indes, bleibt freilich die Wildnis und die Dunkelheit. Und meine Zeltwände halten nichts ab außer Regen und böse Träume. Aber das reicht. Zumindest für unseren Geist. Hier bin ich sicher. Die Illusion ist ebenso vollkommen wie letztlich fragil. In meinem Papierhaus aus konstruierter Sicherheit habe ich keine Angst im Dunkeln. Es ist ein bißchen so, wie die Hände über die Augen zu legen, wenn das Monster unterm Bett uns erspäht hat. Es ist Irrsinn. Aber es hilft.

Vielleicht ist das der Ursprung aller Kultur – weil wir Angst im Dunkeln haben. Und da ich hier in meinem Zelt sitze und mit allen Mitteln die Nacht aussperre und das schreibe, erinnere ich mich an Margaret Atwoods großartige Kurzgeschichte „Das Zelt“, die von eben jenen Ängsten und Illusionen handelt: „Warum glaubst du, dass dein Schreiben, diese Graphomanie in einer dürftigen Höhle, dieses Hin- und Her- und Rauf- und Runtergekritzel auf den Wänden dessen, was nun wie ein Gefängnis vorzukommen beginnt, in der Lage sein sollte, überhaupt irgendjemanden zu beschützen? Dich eingeschlossen. Es ist eine Illusion, dieser Glaube, dass dein Buchstabensalat eine Art Panzer ist, so etwas wie ein Zauber, denn niemand weiß besser als du, wie zerbrechlich dein Zelt in Wirklichkeit ist.“


Die Szene endet damit, dass die Ängste, die Wildnis, und all jenes, das da draußen lauert, nicht at bay gehalten werden kann: „Wind kommt herein, deine Kerze fällt um und flammt auf, und eine lose Ecke des Zeltes fängt Feuer, und durch den sich weitenden, schwarzgeränderten Riss kannst du die Augen der Heulenden sehen, rot und im Licht deiner brennenden Papierzuflucht glänzend, aber du schreibst trotzdem weiter, denn was sonst kannst du schon tun?“
Also schreiben wir weiter, stellen weiter Gartenzwerge in den Vorgarten und entzünden Kerzen in der Nacht. Machen wir Kultur, damit wir keine Angst im Dunkeln haben müssen.

Und in der nächsten Episode:

EPISODE 15: On the road – Part V


Episode 13 auf Noras Blog
Episode 12
Episode 11
Episode 10
Episode 9
Episode 8
Episode 7
Episode 6
Episode 5
Episode 4
Episode 3
Episode 2
Episode 1

Instagram: beyer.nora
Twitter: @norabeyer
Facebook: Nora Beyer
Bilder: Nora Beyer
Text: Nora Beyer / André Joffroy

Ähnlich unserer NAHBS-Serie habe ich wieder meine Favoriten im Bereich der Straßenräder ausgewählt.

Den Anfang macht Saffron Frameworks aus London mit einem wunderschönen Rad. Der Rahmen wurde komplett verkupfert, maskiert und dann lackiert. Das Resultat kann sich mehr als nur sehen lassen und wurde nicht ohne Grund gleich zwei Mal mit einem Preis ausgezeichnet.

Weiter geht es mit ISEN Workshop, einer Kooperation zwischen Caren Hartley und Talbot Frameworks.

Erwähnenswert ist, dass alle Rahmen nicht nur in der eigenen Werkstatt hergestellt, sondern auch lackiert werden. Typischerweise bekommen alle ISEN-Räder einen Farbverlauf, dem man teilweise sicherlich mögen muss, aber in jedem Fall Wiedererkennungswert hat.

Ricky Feather zeigte auf der Bespoked eine Art Kombination aus den zwei vorangegangenen Rädern, wenn auch der Untergrund wahrscheinlich nicht galvanisch aufgebracht wurde.

Zum Abschluss darf ich einen vergleichsweisen neuen Rahmenbauer vorstellen.

Burcak Erbil baut seit 2016 unter Brelis Cycles und hat für die Messe ein unwahrscheinlich herausgeragendes Gerät erschaffen, wenn man sich die Details zu Gemüte führt.

Ein eigens angefertigter Vorbau mit Klemmstücken, die er komplett ohne CNC-Hilfe hergestellt hat. Das Bilaminate-Steuerrohr mit Anfasung habe ich persönlich so noch nie gesehen und der Eingang der internen Zugverlegung am selbigen mag zwar ein wenig klobig erscheinen, fügt sich aber perfekt in das Gesamtbild.

Zu erwähnen ist auf jeden Fall noch, dass der Edelstahl-Rahmen aus Columbus XCr und Reynolds 953 besteht und vom Erbauer selbst mit einer semi-transparenten Lackierung versehen wurde.

Da die Bilder mit schwarzem Hintergrund, besonders bei diesem Rad, nicht ganz ideal sind, kann ich ich wärmstens einen Blick auf die Instagram-Seite von Brelis empfehlen. Insbesondere weil man dort auch ein wenig von der Entstehung des Rades und dessen Einzelkomponenten sehen kann.


Alle Bilder von Ben Broomfield

Eine Ode an das Fahrrad und dessen Herstellung

Man sieht Carlo Carlà zwar nicht wirklich nicht beim Rahmenbau, aber was er so während der Montage eines seiner Räder erzählt, ist in jedem Fall hörens- und, Untertitel sei Dank, auch lesenswert.

Viel mehr als, dass Carlo der letzte Rahmenbauer aus Süditalien, genauer aus Bari, ist, konnte ich leider nicht auf die Schnelle herausfinden. Weiß jemand mehr beizusteuern?

Ansonsten gibt es natürlich auch einen guten Schwung über sein Leben im folgenden Video:

Carlo Carlà – La bicicletta from Iride on Vimeo.

Die diesjährige Bespoked ist zwar schon fast einen Monat Geschichte, aber anscheinend war der offizielle Fotograf Ben Broomfield schwer beschäftigt.

Nun also starten wir, wie angekündigt, eine Artikelreihe über die kleine, aber sehr feine Messe aus dem Herzen von Bristol.

Wir starten mit einem kleinen Rundgang über die Messe:


Alle Fotos von Ben Broomfield