Zweiter Platz beim Concours de machines und Gewinner  ‘Best Road Bike’ and ‘Best Lugs’ auf der diesjährigen NAHBS. Zwei herausragende Titel für ein besonderes Rad.

Das komplett ausgerüstete Fahrrad bring gerade mal 9.1 kg auf die Waage.

Der Wettkampf der Maschinen, wie der „Concours de machines“ im Deutschen bezeichnet werden würde, ist nicht einfach ein Rennen, ein umfangreiches Punktreglement bezieht technische Fertigkeiten, Gewicht aber auch Geschwindigkeit und Zuverlässigkeit mit ein.

Zum Reisen mit Bahn oder Auto lässt sich das Rad in 10 Minuten nach dem japanischen Rinko-System verpacken, ohne dass im Rahmen Couplers eingebaut sind. Dazu wird das Rad in vier Teile zerlegt: Rahmen, Gabel/Vorderrad/Gepäckträger, Hinterrad, Lenker. Diese werden dann mit drei Riemen zu einem freistehenden, leicht zu tragenden Bündel verbunden. Eine superleichte Hülle wird darübergestülpt.

Genauere Informationen dazu findet ihr im Detailed Points Assignment.

Dieses spezielle J.P. Weigle wurde für Jan Heine gefertigt, Redakteur und Herausgeber der Bicycle Quarterly und Kopf hinter Compass Cycle Produkten.

Bis ins letzte Detail durchkonstruiert, um lange Strecken mit hohen Durchschnitten zu fahren, auch bei Regen und bei Nacht.

Sowohl die Rahmendetails, als auch die Auswahl der Anbauteile scheint nicht nur die Jury des Concours de machines überzeugt zu haben. Warum es dennoch nicht ganz für einen Sieg gereicht hat, erfahrt ihr hier.

Rahmenbau vom Feinsten.

Mehr Informationen und Details findet ihr bei einem Klick auf die Bilder.


Weitere Informationen:
Preis Rahmenset: auf Anfrage bei J.P.Weigle
Vertrieb Anbauteile: in Deutschland über Dailybread Cycles, weltweit über Compass Cycle
Bilder: © Nicolas Joly

Die René Herse Cantilever-Bremsen wiegen nur 75 g.
Das hintere Schutzblech ist leicht demontierbar, um den Transport zu erleichtern. “Special Mix”: Die Auswahl der Rahmenrohre ist ein Geheimnis von J. P. Weigle.  Die elektrische Verbindung des SON-Nabendymanos erfolgt automatisch über das SL-System – ohne außenliegende Kabel.  Gilles Berthoud Sattel und vom Nabendynamo betriebenes Compass Rücklicht. Alle Kabel verlaufen geschützt im Inneren des Rahmens. Der handgefertigte Gepäckträger wiegt nur 137 g. Kaum jemand feilt die Muffen so fein wie J. P. Weigle. Die Löcher in den Kettenblättern sparen nochmals 10 g. Das Rad in Aktion bei einer Überquerung der japanischen Alpen.

 

Artikel lesen kann zu Beginn der Woche teilweise sehr anstrengend sein und deshalb haben wir gedacht, dass wir versuchen jeden Montag ein neues/altes Video über Räder aus Stahl zu posten.

Den Anfang macht eine mehr als sehenswerte Doku über das Hack Bike Derby, das vor gut zwei Jahren in den Wäldern um Somerset/Frome stattfand.

Initiiert wurde die Veranstaltung von Andrew Denham, Gründer der Rahmenbau-Schule TBA. 

copyright: Adi Gilbert – 99 seconds

17 Rahmenbauer traten mit möglichst preiswert angefertigten Klunker-Bikes gegeneinander an, hatten offensichtlich eine Menge Spaß und waren dem Ur-Gedanken des Mountainbikens wohl mehr als nur nahe, aber seht selbst:

Hack Bike Derby from Hack Bike Derby on Vimeo.

Derzeit gibt es Gerüchte, dass es noch dieses Jahr eine Neuauflage geben wird!

Wir hoffen sehr, dass sich selbige möglichst bald bewahrheiten werden.

 

Nach Episode 2 sind wir, in unserem zweiwöchentlichen Rhythmus, nun bei Noras vierter Episode ihrer Reise ans Nordkap angekommen.
Episode 3 findet ihr hier.
Eine Übersicht aller Episoden findet ihr auf Noras Blog.

RIDE YOUR BIKE! Von Nürnberg zum Nordkap in 30 Tagen. EPISODE 4: Addicted to Steel – Warum Stahlrahmen?

Stahlrahmen sind schwer. Stahlrahmen sind Relikte vergangener Zeiten, ästhetisch verstaubt und nur was für Nischenliebhaber. Stahlrahmen sind schwer. Und alle wollen leicht. Leicht ist en vogue. Deshalb auch der Trend zu Carbon. Soweit die Vorurteile.

Aber stimmt das?

 

Stahlrahmen sind schwer?

Stahl lässt sich sehr gut ´konifizieren` bzw. ´reduzieren`, also an Stellen, die weniger Belastung ausgesetzt sind, dünner und damit leichtgewichtiger verarbeiten. Im Gegensatz zu Aluminium kann es an diesen Stellen auf Verstärkungen (= mehr Material = mehr Gewicht) als Sicherheitsreserve verzichten. Und: Das Rahmengewicht macht lediglich einen Bruchteil des Gesamtgewichts aus. Was das Rad schwer macht und unsere Oberschenkel brennen lässt sind vielmehr die restlichen Anbauteile: Schwere Reifen und sonstige Komponenten sowie überflüssige Ausstattung treiben das Gewicht in Summe in die Höhe. Man tut dem Stahl also Unrecht, bezichtigt man es unreflektiert als Übeltäter des Schwergewichts.

Stahlrahmen sind ästhetisch verstaubt?

Über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht (oder paradoxerweise eigentlich vortrefflich) streiten. Und ästhetische Ideale ändern sich mit der Zeit. Was einmal der letzte Schrei war, ist heute nur noch humoriges Material für GIFs oder Best-of der schlimmsten Modetrends-Reihen. Das gilt für die gepuderte, gefühlt meterhohe Perücke der Zeit der Décadence unter Ludwig XIV – genannt der Sonnenkönig – ebenso wie für die Schlaghose der 1970er oder Plateau-Schuhe.

Ebenso ist auch bekannt, das alles einmal wieder in Mode kommt – siehe die Schlaghose der 1970er, die in den 1990ern ein Revival erlebte und nun auf den einschlägigen Laufstegen der Haute Couture schon wieder im drohenden Anmarsch ist. Von gepuderten Perücken blieben wir bislang glücklicherweise verschont. Diesen Rückfall auf und Wiederholung von bereits Dagewesenem lässt sich ziemlich banal begründen: Wir stehen alle auf den Schultern unserer Vorgänger. Kurz: Wir können das Rad nicht jedes Mal neu erfinden. Vielmehr greifen wir Bekanntes auf, ändern es etwas ab (und preisen es dann als revolutionär Neues an;) und setzen so Altbekanntes in neue Kontexte. Was können wir aus diesem quasi-physikalischen Gesetz, dass Ästhetik sich wiederholt und das, was einmal IN war, auch wieder OUT werden wird und umgekehrt, lernen? Eine gewisse Unaufgeregtheit, was unseren Geschmack angeht. Wenn wir Stahlrahmen in ihren klaren Linien und in ihrem grazilen Minimalismus nun einmal (subjektiv natürlich, denn alles ist letztlich subjektiv, das ist Kernthese aller konstruktivistischen Ästhetik) schön finden, dann dürfen und sollen wir das. Denn: Wenn eine gegenwärtige Modeströmung deren Ästhetik als veraltet, flawed oder sonst irgendwas begreift, dann können wir uns locker zurücklehnen und schlicht abwarten. Wie die Schlaghose wird auch diese Mode an uns vorbeigehen und sich an vermeintlich Veraltetes wieder erinnern.

Stahlrahmen sind nachhaltig!

Gewicht. Optik. Alles wichtig, klar. Aber in der Gewichtshysterie um Carbon und Co. geht ein zentraler Vorteil – vielleicht DER Vorteil schlechthin – von Stahlrahmen völlig unter. Stahl hält. Stahl trägt. Stahl begleitet. Ein Stahlrad hat man für Jahrzehnte – ein Leben lang sogar. Stahl ist nachhaltig. Dieser eigentliche Pluspunkt hinsichtlich unserer ecological footprints ist aber ein haushoher Minuspunkt aus der wirtschaftlichen Perspektive profitorientierter Unternehmen und einer primär sich über Wachstum (durch Konsum) definierenden Gesellschaft. Wir sollen Sachen nicht aufheben, nicht pflegen, nicht reparieren. Wir sollen Sachen wegschmeißen. Und neue Sachen kaufen. Die Paradoxie ist, dass im Zuge des Wandels innerhalb der Ökonomien, die das Schlagwort der Nachhaltigkeit dabei gerne für sich in Anspruch nehmen, eben jede faktische Umsetzung dieser Nachhaltigkeit der ökonomischen Logik ebenjener Ökonomien widersprechen muss.

Das Zynische daran: Großkonzerne kleben sich grüne Etiketten auf das Revers aus Kommerzgründen. Nachhaltigkeit verkauft sich gut. Der Philosoph und Kulturkritiker Slavoj Žižek hat das am Beispiel von Starbuck´s Coffee, die damit werben, ökologisch angebauten Kaffee zu verarbeiten, einmal verdeutlicht: „You don´t just buy a coffee. You buy, in the very consumerist act, your redemption from being only a consumerist“ (First as Tragedy, Than as Farce). Der große Widerspruch: Im Akt des Konsums kaufe ich zugleich meine Absolution von ebendiesem Konsum. Stahl widerspricht dieser Logik. Und vor allem aus diesem Grund ist ein Stahlrahmen ein wertvolles Gut. Nicht, weil es gar nicht so viel schwerer ist als andere Materialien. Nicht, weil es optisch hübsch anzuschauen ist. Das sind alles valide Gründe, sicher. Aber was Stahl wirklich heraushebt ist seine Langlebigkeit und damit sein Widerstand gegen die Wegwerflogik und die Konsumgesellschaft. Stahl ist, auf seine Art und Weise, quasi der Revoluzzer unter den Materialien.

In diesem Sinne: Viva la Revolución!

Und in der nächsten Episode:

EPISODE 5: Ich packe meinen Koffer – Gear & Co.


Episode 3 auf Noras Blog
Episode 2
Episode 1
Instagram: beyer.nora
Twitter: @norabeyer
Facebook: Nora Beyer
Bilder: Nora Beyer
Text: Nora Beyer / André Joffroy

 

Das Ende ist nah und der Zielspurt unserer „Best of NAHBS 2018“ machen, wie kann es anders sein, die Renn- und Randonneur-Räder.

Ich denke, dass im Folgenden für jeden etwas dabei ist, der sonst eher auf der Straße unterwegs ist.

Den Anfang macht Chris Bishop, der mich persönlich immer wieder zum Staunen bringt. Sei es durch aufwändige Lackierungen, rahmenbautechnische Details oder meist auch beides in Kombination.

Auffallend ist die Unterbringung seines Logos in Muffen sowie das das Ausdünnen, mittels Feile, selbiger zur auslaufenden Spitze.

Nicht ohne Grund hat Chris in der Vergangenheit schon diverse Auszeichnungen auf Messen bekommen und der folgende Traum in pink lässt nicht nur Damenherzen höher schlagen.

Kann man einen NAHBS-Bericht schreiben ohne wenigstens ein Rad vom Initiator und Eigentümer dieser Messe zu zeigen? Ich denke nicht, vor allem, wenn diese mehr als nur vorzeigbar sind. Auch wenn Don Walker zwar augenscheinlich nicht mehr soviel Zeit auf dem Rad verbringt, aber gerne Stunden in das Finish seiner filletbrazed Rahmen investiert, und dafür von Columbus mit einer Auszeichnung geehrt wird.

„Modern frames for vintage souls“ – Das ist der Claim von Brian Chapman, der für amerikanische Verhältnisse, einen Katzensprung entfernt von Hartford in Rhode Island lebt und arbeitet.

Leider gibt es zum Tandem mit passend angefertigtem Anhänger nur ein Bild, aber das beste seiner Art (Best Tandem) auf der diesjährigen NAHBS ist sicherlich verdient.

Ansonsten ist die Erleichterung an einem weiteren Show-Bike in Drillium-Manier auch in der heutigen Zeit schön anzusehen und wertet Serien-Komponenten ungemein, durch die investierte Zeit und die Gewichtserleichterung, auf.

Panasonic stammt bekanntlich aus Japan ist in der Reihe der vorangegangen Erbauer ein echtes Urgestein.

In der jüngeren Zeit eher bei E-Bikes in Erscheinung getreten, besinnt man sich nun wieder auf die guten alten (Stahl)-Zeiten.

Als modernen Wanderer, aka Randonneur, kann man das folgende Gefährt auf jeden Fall bezeichnen, wobei mir besonders die Muffen am Steuerrohr ins Auge fallen, weil sie eigens von oder für Panasonic hergestellt wurden.

In Kombination mit den gedengelten Schutzblechen, der sehr spannenden Lackierung sowie den Scheibenbremsen eine interessante Kombination. Eine Kombination, die für den ein oder anderen die Kriterien für n+1 sicherlich erfüllt.

OK, das war also unserer ersten Messe-Reihe mit „Best of NAHBS 2018“.

Es mag sein, dass dies eine sehr persönliche Auswahl war, die keine Anspruch auf Vollständigkeit haben sollte, aber dürfen und sollen wir so etwas in Zukunft öfters machen?

Schreibt uns gerne ein wenig Feedback in die Kommentare oder bombardiert uns mit Emails!

 

Nach dem letzten Post über Mountainbikes wechseln wir noch nicht direkt auf die Straße.

Bleiben jedoch auf befestigten Wegen und somit in der Gattung der Gravel- und Allroad-Bikes.

Ein mittlerweile sehr populäres Fahrrad-Genre, dass nicht nur Spaß, sondern auch Sinn macht.

Sinnvolle und gleichzeitig sehr ansehnliche Räder im Folgenden, aber aus Zeitgründen ohne viele Worte.

Sklar Bikes

Porter Cycles

SaltAir

Beardmen Bicycles

Breismeister Bicycles

Ich weiß ja nicht, wie es euch nach dieser tollen Bilderflut geht, aber ich kann mich als Rahmenbauer an manchen Details und Farbgebungen nicht satt sehen!

Seid gespannt auf den letzten Teil in den nächsten Tagen und habt einen guten Start in die Woche.