Das heutige Video ist kein „Klassisches“ im direkten Kontext zu unserem eigentlichen Thema, aber über ein Produkt, das eine extrem hohe Fertigungstiefe in Deutschland hat, innovativ ist und auch an einem Stahlrahmen eine gute Figur macht.

Wir sprechen über die HERO,  das neueste und zugleich leichteste Federgabel-Modell aus dem Hause Intend.

Dabei soll die erste Serie der 29er-Forke über Crowdfunding auf der eigenen Seite vorfinanziert werden.

Warum nicht bei Kickstarter und Co?

Cornelius Kapfinger will die gängigen nicht unerheblichen Gebühren sparen, gibt aber diese Ersparnis an seine Vorbesteller weiter.

Es gibt zwar keinen direkten Preisnachlass, aber einen sehr leckeren Vorbau nach Wahl im Wert von ca. 140€ kostenlos, bei Gabelbestellung währendes Funding-Zeitraumes, dazu.

Sicher sind knapp 1800€ für eine Federgabel eine Investition, die man nicht alle Tage macht, aber das mehrfach sehr positiv getestete Fahrverhalten, die Optik und die Firmen-Ethik hinter der One-Man-Show sind einzigartig.

Alle weiteren Fakten zur HERO findet ihr im folgenden Video und unter dem folgenden Link: Intend HERO


Fakten zur Federgabel:

  • Einsatzbereich: Trail/Allmountain/Marathon
  • Laufradgröße: 29″
  • Offset: 48 mm Offset
  • Achsbreite: 110 x 15 mm Boost-Achse
  • Reifenbreite: bis 2,6″
  • Bremsaufnahme: Postmount 180 mm
  • Federweg: 110 bis 150 mm (intern verstellbar)
  • Gewicht: 1742 g/1770 g inkl. Bremsaufnahme
  • Farben: schwarz, blau, raw
  • Lieferbarkeit: geplant Dezember 2018
  • Preis 1799 €

Das Funding läuft noch bis zum 11.11.2018, wobei man natürlich auch noch später in die Vorserie einsteigen kann. Dann jedoch ohne kostenlosen Vorbau dazu.

Ansonsten würde ich an dieser Stelle gerne noch erwähnen, das ich mit Cornelius gut befreundet, ein großer Fan seiner Produkte und Ideen bin, sowie selbst eine Federgabel von ihm besitze.

 

 

 

 

 

 

Nur ein kurzer Beitrag, der mich aber sehr erfreut!

Das Vermächtnis von Dario Pegoretti bleibt erhalten und die Geschäfte von seinen drei langjährigen Mitarbeitern weitergeführt.

Seit gestern ist die neue alte Seite, leicht angepasst, wieder online und Bestellungen werden angenommen.

Dem ein oder anderen mag das vielleicht auch ein wenig zu schnell gehen, aber schließlich müssen die Mitarbeiter, bzw. neuen Eigentümer, den Geldfluss aufrecht erhalten, sodass die kurze Zeit nachvollziehbar ist.

Aktuell vermisse ich persönlich einen Hinweis auf der Homepage, über das Ableben des Gründers und Meisters, aber vielleicht kommt dieser zeitnah oder es schmerzt einfach noch zu sehr, als das man es an die große Glocke hängen will.

Am Ende, respektive am Neuanfang, ist das vielleicht auch egal, weil seine Ideen und sein Spirit nun weiterleben. Schlussendlich war die Marke Pegoretti sicherlich nicht nur Dario, sondern eben auch sein langjähriges Team, das seinen Weg nun fortführt.

Man darf gespannt sein, wer in Zukunft den Pinsel bei Ciavete schwingt, aber es ist einfach schön, dass die Ideen von Dario weiterleben und seine Mitarbeiter weiterhin ihren Lebensunterhalt mit Fahrrädern aus italienischem Stahl bestreiten können.

Falls es meine Lieblings-Lackierung Guantanomo tatsächlich wieder geben sollte, werde ich die Preislage checken und bei akzeptabler Lage zu gegebener Finanzlage bestellen, weil diese Lackierung nun sogar zwei Bedeutungen hat…

Lang lebe Dario’s Vermächtnis!

Silja geht radfahren

Ganz bewusst kommt der heutige Beitrag so spät, weil er vergleichsweise lang ist und man so ggf. ein wenig Zeit findet, diese knapp 45-minütige Doku anzusehen.

Der Titel sagt im Grunde schon (fast) Alles. Silja geht radfahren.

Gerne benutze ich an dieser Stelle die Worte von Mario, der uns dieses Video empfohlen hat:

„Es erzählt die wechselvolle Geschichte einer Radfahrt der jungen Dänin Silja, die auf ihrer Europa-Reise Menschen, Landschaften und sich selbst kennenlernt. Ein sehr ehrlicher Film.“

Mir war/ist diese Doku fast zu schon zu ehrlich, was ich ihm auch mitteilte und worauf  er sehr gut entgegnete:

„Wir Radfahrer gehören doch zu den Genießern, den Aufmerksamen und den Entdeckern – all das und mehr findet sich in den 45 Minuten. Zum Radreisen gehören auch die Momente, in denen wir uns selbst begegnen – und in denen jeder reift.“

Er musste mich schon vorher nicht wirklich überzeugen das folgende Video zu posten, aber damit hat er den Nagel wohl auf den Kopf getroffen!

Vielen Dank an dieser Stelle für den Tipp an Mario und (mal wieder) der Hinweis, dass ich wirklich sehr offen für Einsendungen von euch bin.

So und jetzt Film ab!

Welcher (andere) Lenker?

Vor wenigen Tagen bin ich über ein tolles neues Tool bei Instagram gestolpert, das eine gute Antwort auf die Frage in der Überschrift sein will.

Die Idee ist im Grunde sehr simpel.

Eine einfache grafische Darstellung von möglichst vielen Lenkern in der Draufsicht, die überlagert werden können, sowie folgende weitere Angaben:

  • Width: Lenkerbreite
  • Rise: Biegung nach oben
  • Sweep: Versatz oder Winkel nach hinten
  • Drop: Tiefster Punkt (interessant bei nach unten gebogenen Bügel-Lenkern)
  • Reach: Weitester Punkt nach vorne, von der Vorbau-Mitte aus
  • Weight: Lenkergewicht
  • Info: Link zum Hersteller oder direkter Bezugsquelle

Für mich als Rahmenbauer auf jeden Fall ein sehr spannendes Tool, aber auch für den geneigten Radler/in, die oder der sein Rad umbauen will und so mit wenigen Klicks verschiedene Lenker vergleichen kann.

Aktuell finden sich bereits 64 verschiedene Lenker (Stand 06.10.2018), obwohl das Projekt erst am 26.09.2018 online ging.

Mehr als offensichtlich ist die Seite von Beginn an von Velo Orange gesponsert und dementsprechend direkt alle deren Modelle eingepflegt.

Hauptsächlich basieren die aktuellen Daten aber von eingesendeten oder selbst gemachten Fotos, die in einem Grafik-Programm entsprechend bearbeitet wurden.

Insofern kann und soll keine Garantie für die Richtigkeit und Präzision der Daten übernommen werden. So soll das Ganze aktuell folgerichtig eher als Experiment angesehen werden, das aber gerne weiter durch Einsendungen von Lenker-Spezifikationen, bzw. Fotos, aus dem privaten und industriellen Bereich wachsen darf.

Vielleicht fühlt sich ja auch einer unserer Leser/innen berufen mitzuhelfen?

Aus meiner Sicht, wäre es sehr wünschenswert, wenn sich dieses Tool behauptet und ausgebaut wird. Entscheidet der Lenker zum einen nicht unerheblich das generelle Kontrollverhalten, aber auch die Sitzposition und vor allem auch den Komfort.

Zum Abschluss musste das Kind in mir natürlich alle Lenker auf einmal aktivieren und somit überlagern. Ich würde behaupten, dass das Resultat schon fast Kunst ist!


Homepage: http://whatbars.com/

Instagram: https://www.instagram.com/whatbars/

 

 

Der folgende Text ist ein Gastbeitrag von Fabian Baum, der letztens auch freundlicherweise die Bilder von der an seinem Surly Krampus angebrachten Safety-Pizza zur Verfügung gestellt hat.

Die Legende vom Dorfschmied

Da war er nun – der erste richtige Schaden an einem Rahmen.

Der erste richtige Schaden am Rahmen – kein Kratzer, keine fast unsichtbare Delle, kein Schönheitsfehler. Kein Riss, sondern gleich derer zwei. Im Sattelrohr des absoluten Lieblingsbikes. Der geliebten Krampe. Treues Gefährt, treuer Gefährte, ein Rad, bei dem ein Gang in den Keller und ein Blick darauf genügten, um einen furchtbaren Tag zu vergessen, das Kopfkino anzuwerfen und sich mit einem imaginären Eimer Popcorn in der Gedankenwelt bequem zu machen. „Wo ist man nicht schon überall damit unterwegs gewesen…und wo möchte man damit noch überall unterwegs sein!“

Und jetzt, draußen auf dem Hometrail steht man da, in der trockenen Dezemberkälte, blickt auf diese zwei Risse, aber: von Trauer keine Spur. Eine kaputte Felge oder ein Kettenriss hätten mich damals mehr gewurmt als der Schaden am Rahmen. Immerhin ließ sich das Rad so wenigstens noch fahren.

Also vorsichtig wieder aufs Bike, zur S-Bahn und mit der S-Bahn zum Bikeshop des Vertrauens. Davo, der Inhaber, war mit den Jahren nicht nur zu einem Freund, sondern auch ein Rahmenbauer mit eigener Werkstatt geworden. Bevorzugtes Rahmenmaterial? Stahl. Daran, dass er das Bike reparieren würde, bestand zu keinem Zeitpunkt auch nur der geringste Zweifel. Das defekte Rad zu ihm zu bringen fühlte sich an, wie mit einem platten Reifen nach einem Schlauch zu fragen. Er begutachtete den Schaden, erklärte, wie er ihn beheben werde, ein Abend für die Reparatur wurde vereinbart. Das Rad blieb im Laden und es ging mit der S-Bahn nach Hause.

Auch während der Wartezeit bis zum vereinbarten Reparaturtermin stellte sich die Frage nie, ob das jetzt die letzte Ausfahrt mit dem Bike gewesen war. Am Tag der Reparatur ging es nach der Arbeit zu Davo in die Werkstatt. Er hatte die beschädigte Stelle bereits entlackt und das Rad im Montageständer fixiert. Das Rad war komplett, nur der Sattel samt Stütze und das Hinterrad fehlten. Dass hier gleich ein Eingriff stattfinden sollte, der über Wohl und Wehe eines Bikes und über die Fortsetzung oder das Ende einer längst emotional gewordenen Beziehung entscheiden würde, ließ sich einzig an der blanken Stelle am Sattelrohr erkennen. Das Hinterrad hätte ebenso gut im Zentrierständer stecken können, um einen kleinen Schlag zu beseitigen.

Davo begann mit der Reparatur, erklärte mir jeden einzelnen Schritt und ich fotografierte das Ganze. Nach knapp zwei Stunden und einem gemeinsamen Kaffee fuhr ich wieder nach Hause. Auf meiner reparierten, meiner geliebten grünen Krampe. Beim späteren Betrachten der Bilder fiel mir auf, wie dreckig das Rad eigentlich war. Ich hatte es genau so dreckig nach Hause gefahren, wie ich es abgeliefert hatte. Im Grunde genommen war die Reparatur des Rahmens nichts weiter als ein Boxenstopp.

Wenn ich die Geschichte der Reparatur erzähle, löst dies mitunter Kopfschütteln aus und es kommen Dinge wie „Und damit fährst du noch? Ich hätte kein Vertrauen mehr in den Rahmen!“

Ja, das Verhältnis zum Rahmen hat sich dadurch verändert, aber in die entgegengesetzte Richtung. Ich habe nun noch mehr das Gefühl, dass es mein Rahmen, mein Rad ist. Mein Rad aus Stahl. Treues Gefährt, treuer Gefährte.

Und kommt die Frage, wieso an dieser einen Stelle der Lack fehle, antworte ich mit einem Lächeln: „Ach, das? Das war nur ein Kratzer.“

Stahl ist ein archaischer Werkstoff. Salopp gesagt genügen etwas Metall und Feuer, um etwas daraus entstehen zu lassen. Diese Simplizität ermöglicht es eben auch dem im Titel erwähnten Dorfschmied, Neues zu erschaffen oder Altes zu erhalten. Stahl zu fahren bedeutet auch, sich zur Nachhaltigkeit zu bekennen und eventuelle sichtbare Reparaturen nicht als Makel, sondern in mehrfacher Hinsicht als ein Stück Geschichte zu betrachten – sowohl ein Stück der eigenen, ganz persönlichen Geschichte als auch ein Kapitel einer langen, fortwährenden Geschichte, die vor etwa 4000 Jahren mit etwas Metall und Feuer ihren Anfang nahm.

Man könnte also durchaus behaupten: Wer Stahl fährt, entscheidet sich, angesichts einer immer schneller rotierenden Industrie, mit immer kürzer werdenden Produkt- und Entwicklungszyklen, für Entschleunigung und Zeitlosigkeit.

Hinweis:

Bei dem reparierten Rahmen handelt es sich um einen, der aus einer kleinen Vorserie stammt und so nie in den Handel kam. SURLY hat das Design des Klemmschlitzes für die Serie angepasst, nachdem es bei einem frühen Prototyp ebenfalls zu einer Rissbildung im oberen Bereich des Sattelrohrs kam. Der reparierte Rahmen entspricht bis auf die Farbe und das Ausfallende dem hellblauen Rahmen aus diesem Beitrag im Surly-Blog: https://surlybikes.com/blog/2017_krampus_updates_or_if_you_lived_here_youd_be_home_by_now2


Vielen Dank an Fabian für diesen tollen Beitrag zum Thema „Mythos Dorfschmied“.

Er fährt zwar nicht aussschließlich Stahl, aber vielleicht wollt ihr den Kerl trotzdem ein wenig auschecken: Fabian aka kurbelfurbel bei Instagram

Und wenn wir grade ein wenig Werbung machen: Der Reparateur Davo ist Eigentümer von Gutenbiken in München, baut aktuell nur im „inner circle“ Rahmen, ist mir aber seit einigen Jahren wohl bekannt. Sein Laden ist in jedem Fall eine super Adresse für Stahlrahmen, Reparaturen und Aufbauten im Herzen der bayerischen Hauptstadt.

Ansonsten habe ich selbst auch schon einige Räder unter meiner Tätigkeit bei Portus Cycles wiederhergestellt und die ein oder andere Notreparatur hält nun schon Jahre, sodass die Totgeglaubten meist länger leben, als man denkt.

Von welchen Wiederbelebungen könnt ihr berichten?