Der Strom neuer Rahmenbauer reißt einfach nicht ab und es stellt sich mit jedem neuen Kandidaten die Frage, wann dieser (im Vergleich zum Mainstream immer noch) Nischenmarkt der Stahlrahmen-Bikes gesättigt sein wird. Nicht dass ich es mir wünschen würde, aber viele kleine Hersteller und Rahmenbauer haben ohnehin schon dauerhaft zu kämpfen.
Auch wenn ich mich selbst radelnderweise nicht im Gelände bewege, kann ich Fatbikes (natürlich mit Stahlrahmen) nicht einen gewissen Charme absprechen.
Wenn man seiner Website die URL velo-sur.mesure.fr verpasst, ist es nicht sonderlich schwer zu erraten, welche Profession sich dahinter verbirgt (merci für den Tipp Henry!!!).
Radler/innen, die nicht erst ein paar Jahrhunderte auf ihren Heiligenstatus warten und gleichzeitig noch stilvoll durch die Stadt radeln möchten, finden jetzt bei Bella Ciao eine attraktive Lösung:
Cardoso Cycles aus Sao Paulo in Brasilien zählt zu den wenigen südamerikanischen Rahmenbauern, die sich der Philosophie „Steel is Real“ verschrieben haben. Seit 2010 bietet der Industriedesigner Denis Cardoso, der das Rahmenbau-Handwerk u.a. am United Bicycle Institute (UBI) in Portland erlernt hat, seinen Kunden Stahlrahmen-Bikes nach Maß für jeden Einsatzbereich.
Vielleicht war ich gerade ein wenig indisponiert, aber so hat es ein bisschen gedauert, bis ich das Produktangebot von Ciclitorino aus (na klar!) Turin verstanden habe. Wobei ich es, offen gesagt, immer noch nicht vollständig kapiere. Was auch daran liegen könnte, dass die Produktbeschreibungen mehr als rudimentär sind.
Viel extremer könnte der Kontrast zu den vorher vorgestellten Edel-Bikes von Ascari kaum sein – sowohl was Design und Ausstattung der Räder angeht als vor allem den Einsatzzweck und die Bedeutung dahinter.
Beim Anblick der Räder von Ascari Bicycles aus Portland gerate ich in einen Zwiespalt: einerseits begeistert mich die enorme Liebe zum Detail und die Kreativität der beiden Macher Helio Ascari und Gary Mathis. Auf der anderen Seite verwandelt sich dadurch das Fahrrad als Ausdruck puristischer Fortbewegung und eines gewissen Understatements (dem ich gerne nachhänge) in ein etwas selbstverliebtes Objekt, das eher zum stillen Betrachten desselben in einem Showroom einlädt als zum Fahren. Diese ganzen Leder-Fesselspiele sind mir schlicht und einfach zu viel. Und sie nehmen dem Rad in meinen Augen mehr, als sie ihm geben.
Nachdem mich nun schon zwei Leser auf die neuen Stevens Race Classic Retro-Modelle in Stahl aufmerksam gemacht haben (Danke Stefan & Frank), kann ich mir diesen Beitrag nun wirklich nicht mehr ersparen … was ich ohnehin nicht getan hätte, denn die drei Modelle sind durchaus der Erwähnung wert. Übrigens fuhr ich vor ca. 15 Jahren auch einmal ein Stevens 7.1.2 Stahl-MTB, das ich nach kurzer Zeit (leider) wieder verkaufte, als ich feststellte, eigentlich kein MTB-Fahrer zu sein … aus heutiger Sicht: schade!
Klassische Randonneure im Constructeur-Stil sind wieder en vogue. Während sich die meisten Radler damit zufrieden geben, den klassischen Look zu bekommen, setzen sie oft auf moderne Technik wie Nabendynamos, Renn- oder Scheibenbremsen und 10-fach Kettenschaltungen oder Rohloffs.
Das Restaurieren schöner alter Stahl-Fahrräder ist schon längst kein schräges Hobby oder ein kurzlebiger Trend mehr, sondern ein ernstzunehmender Wirtschaftszweig innerhalb der Fahrradbranche. Mehr und mehr eröffnen Werkstätten insbesondere in den Großstädten, um den wachsenden Wunsch von Menschen mit Geschmack und Hipstern nach stylishen Rädern zu befriedigen, deren Aura und zeitloses Design von aktueller Standardware nur schwer zu erreichen ist.
Wer sich für einen Maßrahmen vom Rahmenbauer des Vertrauens entscheidet, hat nicht immer die selben Beweggründe: die breite Palette der Motivationen reicht von körperlichen Besonderheiten, die einen Standardrahmen verhindern, bis zum Wunsch nach einem exklusiven Unikat.
Um Missverständnissen vorzubeugen: Nein, die Retro-Bikes von Lisch Bikes aus Enschede in Holland sind alles andere als dämlich. Aber dieser frühmorgentliche Wortsport musste einfach sein.
Über das Konzept von Sven Cycles, neben komplett individualisierten Stahlrahmen-Bikes auch Roadster-Modelle für Sie und Ihn anzubieten, die sich über die Komponentenauswahl individualisieren lassen, habe ich schon einmal vor rund einem Jahr geschrieben.
Über das 40jährige Jubiläum des kanadischen Rahmenbauers Marinoni und das dazu gehörige Jubiläumsmodell 40 SL bzw. 40 Zona habe ich bereits im Februar berichtet.
Dass ein klassischer Randonneur mit gemufftem Stahlrahmen meist ein äußerst bequemes Gefährt für lange Touren ist, dürfte hinlänglich bekannt sein. Dass man daraus aber auch ein äußerst bequemes Sitzmöbel für die Entspannung danach bauen kann, ist neu.
Nein, man muss nicht gleich tausende von Euros ausgeben, um ein solides Fahrrad zu erwerben, an dem man lange Freude hat. Nein, man muss auch nicht krampfhaft 30 Gänge durch die Stadt schleppen, um von A nach B zu kommen. Und ja, man darf im Marketing ruhig etwas lauter werden, um auf seine Produkte aufmerksam zu machen.
Es muss ja nicht immer gleich besonders spektakulär sein, was hier zu sehen ist á la „die verrücktesten Stahl-Bikes der Welt“. Manchmal tut es zum Wochenanfang auch ein hübsches, bescheidenes Citybike. Wie die beiden Herren- und Damenmodelle Retro vom jungen schwedischen Hersteller Argentario (danke für den Tipp Matthias!).
Wenn man als Rahmenbauer einen echten Fahrrad-Historiker als Kunden hat, kann man sich schon in etwa vorstellen, dass am Ende kein Standard-Bike herauskommt. Zum Glück!
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