Die Woche wird sportlich, sodass ich heute nicht viel Zeit für eigene Blog-Gedanken habe, dafür aber mit ordentlich Film-Material aufwarten kann.

Ich denke der folgende Text von ARTE zum Thema

Fahr Radikal!

verdeutlicht sehr gut worum es geht.

„Die Fahrräder ergreifen wieder Besitz vom Asphalt. Ob Rennrad, BMX, Trialbike, Fixie oder Mountainbike… jedes Rad hat seine Besonderheit! „Fahr-Radikal“ berichtet von der Wiedergeburt der Fahrrad-Kultur und neuen Bikern, die das Fahrrad durch ihre Einstellung, ihren Stil und ihr Können neu in den Alltag integriert haben.“ (Zitat von ARTE)

Unter dem oben genannten Motto werden zehn! verschiedene Aspekte oder Hintergründe der heutigen Fahrradkultur beleuchtet und ich würde das Ganze wertungsfrei als sehenswert bezeichnen, insbesondere auch wegen des vergleichsweise hohen Stahl-Anteils, aber auch weil das Fahrrad wieder Massen bewegt.

Im folgenden alle zehn Teile, die man gut über mehrere Mittagspausen ansehen kann.

 

 

 

Starling Cycles

Die Eingelenker von Starling Cycles sind nach wie vor ein Dauerbrenner, aber brandneu ist ein DH-Prototyp, mit Kettenumlenkung um den Drehpunkt der Schwinge, welche die Federung frei von Antriebseinflüssen macht. In Kombination mit einem schaltungsfreien Antrieb gleitet das neue Gefährt wohl gänzlich lautlos über den Trail.

Ob und überhaupt dieses Gerät jemals in Serie geht ist derzeit nicht bekannt, aber ich kann mir gut vorstellen, dass Joe einfach mal wieder ein wenig spielen wollte.

 

Winter Bicycles

Ähnlich lautlos müsste das Mountainbike von Winter Bicycles unterwegs sein, wobei ein Rad für den Wald mit dicken Reifen für Eric Estlund wohl ein Novum war, da er normalerweise eher Gefährte mit schmalen Reifen baut.

Dear Susan

Über Petor Georgallou aka Dear Susan hat Iwo schon in der Vergangenheit berichtet. Keine Frage: Petor ist mehr (studierter) Künstler als klassischer Rahmenbauer und deshalb entstehen immer wieder interessante unkonventionelle Gefährte.

Seine Kreation für die Bespoked 2018 war zwar leider noch nicht ganz fahrbereit, aber ein Tallfatbike mit Seilzuglenkung und pinion Antrieb ist sehr speziell, was durch custom-Taschen von Naffsacks, Lauf-Gabel und einigen anderen Details komplettiert wird.

Aus erster Hand weiß ich, dass Petor beim diesjährigen Concours de Machines teilnehmen wird und der Rahmen hierfür noch erleichtert wird. Wie, werde ich zu einem späteren Zeitpunkt auflösen.

Portus Cycles

Es ist ein wenig seltsam nun erstmalig über mein eigenes Werk an dieser Stelle zu schreiben, aber ich hoffe die Leserschaft erfreut sich auch ein wenig an meinem Long Karl im „Blackforest Trailservice“ Aufbau.

Da wir am Rande des Nordschwarzwalds leben und durch Sturmschäden regelmäßig die besten Trails blockiert werden, musste eine eigene Lösung her, weil die Waldarbeiter sich teilweise monatelang Zeit ließen oder vielleicht auch einfach Wichtigeres zu tun hatten.

Fortbewegt wird das Ganze mit einem p1.18 Getriebe von pinion, das am Heck von einem Go Swiss Drive Nabenmotor angetrieben wird, was bei einem Gesamtgewicht von ca. 35kg zum Schluss doch sehr hilfreich war.

Dafür findet sich am Rad offensichtlich ausreichend Werkzeug, um den Trail wieder freizulegen und sich nach getaner Arbeit zu stärken. Bei besonders großem Appetit kann der als Werkzeugkiste getarnte Grill zum Einsatz kommen. Bevor es dann in Richtung heimische Dusche geht, sollte man sich noch ein Schluck aus der mitgeführten Jägermeister-Flasche oder einen Espresso gönnen.

Die Auszeichnung für eines der besten Transport-Räder war eine tolle Bestätigung für unser erstes Konzept-Bike, dem sicherlich noch weitere in der Zukunft folgen werden. Ein Dankeschön würde ich gerne noch ein Dankeschön an Erdmann platzieren, der maßgeblich bei der Fertigstellung mitgewirkt hatte.

Hiermit endet nun auch unsere mehrteilige Berichterstattung über die Bespoked 2018, aber Gerüchten zufolge steht schon sehr bald die diesjährige Eurobike an, die wir auf jeden Fall besuchen und natürlich auch berichten werden.


alle Bilder von Ben Broomfield

alle vorherigen Teile über unsere Bespoked-Reihe findet ihr hier

 

 

 

 

 

In Episode 14 war bereits absehbar, dass Nora keine 14 Tage mehr unterwegs sein wird und was soll ich sagen: Sie hat es wirklich durchgezogen und am Mittwoch Abend Vollzug gemeldet! 30 Tage ohne Ruhetag zum Nordkap! Aber lest und seht selbst wie es ihr am Ende ergangen ist.

Wir haben auf jeden Fall großen Respekt vor dieser Leistung!

EPISODE 15: AM ENDE DER WELT!

3.400 km. 13.500 Höhenmeter. Kein einziger Pausentag. Ganz allein. Von Nürnberg zum Nordkap. Und das alles in 30 Tagen. Am 1. Mai fuhr ich am Hauptmarkt Nürnberg los. Mit 35 kg Zuladung auf meinem unter seiner Last ächzenden Specialized AWOL Elite.

Heute, jetzt, genau 30 Tage später, stehe ich am Nordkap.

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Meine Achillessehne ist seit Tag 6 überreizt und macht das Laufen beschwerlich, die Knie sind die Dauerbelastung nicht gewohnt und begannen kurz danach zu protestieren. Ich habe einiges an Gewicht verloren, was bei mir ohnehin schon Strich-in-der-Landschaft-Persönchen eher problematisch ist und Handrücken und Wangen sind tiefbraun mit einem leichten Stich ins Erdig-Braune, welches wohl tatsächlich dreckbedingt ist. Die Satteltaschen sind abgerieben, mein Rad mehr grau als weiß und mit der wilden Sammlung an Plastiktüten (Ich habe gelernt, immer Notfallnahrung dabeizuhaben, da man sich in den Weiten Skandinaviens nicht auf die allgegenwärtige Existenz von Supermärkten verlassen kann), Socken (zum Trocknen) und einem grünkarierten Geschirrtuch (dito) auf seinem Heckträger wirke ich mehr wie ein Landstreicher als noch der schneidig-saubere Radreisende, als der ich so strahlend gestartet bin.

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Hier bin ich also nun. An einem Ende der Welt. 30 Tage lang bin ich der Straße gefolgt, immer nach Norden, immer weiter.

Habe mich durch die Windmühlenheere Deutschlands gekämpft im Gegenwind bis Rostock.

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Habe mich von Trelleborg aus wochenlang durch den endlosen Wald, der Schweden heißt, geschlagen.

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Um schließlich, nach einem kurzen (1 Tag) und surrealen Abstecher durch die finnische Weite, nach Norwegen zu gelangen.

Ich erinnere mich, als ich an Tag 2 in Erfurt war, wie weit entfernt von Zuhause es mir schien.

So weit geradelt!

Wie lächerlich das nun scheint. Ich erinnere mich, wie schwer mir die ersten paar Tage mit 110 und mehr Kilometer täglich gefallen sind. Wie müde und abgeschlagen ich war. Bis mein Körper irgendwo in Lappland wohl begriff, dass ich es ernst meinte. Dass ich nicht umdrehen werde, nicht aufgeben. Dass ich keine Pause machen würde. Irgendwann dann hat er es wohl aufgegeben. Es tat immer noch weh. Aber der Schmerz alltäglich, Gewohnheit. Wie ein guter alter Freund erinnerte er mich daran, dass mein Körper noch funktionierte, eben weil er schmerzte.

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Das Wetter meinte es gut. Viel Sonne, kaum Regen, steter Gegenwind, aber selten mehr als 25 oder 30 Kilometer lang von der schlimmen Sorte, die einem den Lenker verdreht und die Tränen in die Augen treibt. Das Wetter meinte es gut.

Bis kurz vor dem Ziel.

Auf der Hochebene hinter Alta begann die Kälte, Graupel, Sturmböen. Verkrustete Schneefelder überall und tote Birken, die wie gebrochene Fingerknöchel aus dem Morast staken.

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Und natürlich, wie konnte es anders sein, der letzte Tag war der schwerste. Es war fast, als würde der Weg meine Konstitution und – vor allem – meinen Willen noch ein letztes Mal auf die Probe stellen wollen. 130 km, über 1000 hm konstantes Hoch-Runter-Hoch, 6 Grad, Regen. Und Sturmböen. Aus Nordwest. So wie die Route verlief, genau frontal kommend. Dann 2 Grad. Kurz vorm Nordkap dann Schneefall.
Der Körper hält viel. Gutes Material ebenso. Das wirkliche, grundsätzliche und eigentlich Herausfordernde liegt ganz woanders. Im Geist. Die psychische Konstitution, nicht die physische, lässt uns letztlich ankommen. Oder umdrehen, abbrechen, aufgeben. Freilich, das richtige Material und ein durchschnittlich gesunder Körper sind wichtig. Aber es ist der Wille, der den Unterschied macht.

Das erste und einzige Mal, dass ich daran gezweifelt habe es zu schaffen, war 19 Kilometer vor dem Nordkap. 19 km vorher, in Schnee und mit brennendem Gesicht, nach 30 Tagen unter freiem Himmel und ohne Pause täglich auf dem Rad. 19 km vorher wisperte diese kleine Stimme: Halt an. Setz dich einfach hin. Hör auf. Schlaf.

Ich bin weitergefahren.

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Was will ich aber nun eigentlich hier? Was sollte sie, diese Reise? Selbstzweck? Sportlicher Ehrgeiz? Neugierde? Narzissmus? Die Antwort auf diese Frage kann nur jeder für sich selbst finden oder eher: Die richtige(n) Frage(n) kann nur der stellen, der sich selbst auf die Reise begibt. Egal, wohin. Egal, womit. Egal, ob allein oder mit anderen. Ich denke, das Menschsein konstituiert sich durch das Reisen. Auf Reisen sind wir gänzlich ungeschützt konfrontiert mit dem uns Unbekannten und Fremden. Und erst diese Schutzlosigkeit zwingt uns aus kognitiven und physischen Mustern heraus, die wir in unserem Alltag einstudiert haben, um uns sicher zu fühlen. Wir dürfen uns aber nicht sicher fühlen. Damit wir wachsen können.
Was will ich nun hier? Ich stehe am Nordkap und sehe auf das Meer und spüre ein letztes Mal den Wind beißend im Gesicht, der mir so lange wahlweise ein Feind schien – wenn er mir entgegenstand – oder ein Freund – wenn er mir den Rücken stärkte. Dieser Weg ist zu Ende. Meine Reise hat ihr Ziel gefunden.
Ich atme ein.
Aber als ich so stehe und in den Wind lausche, meine ich ein Wispern zu hören. Von fernen Horizonten und dem Unbekannten. Von einer Welt, die nur darauf erwartet, noch entdeckt zu werden. Von mir und meinem Rad. Und ich begreife, dass der Weg hier nicht endet. Dass er überhaupt kein Ende hat. Dass das Ende dieses Weges nur der Anfang eines anderen ist. Wir kommen nicht an, wir sind immer unterwegs, solange wir atmen.
Ich atme aus.
Wohin geht der Weg als nächstes?

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Wir wünschen jetzt erst mal eine gute Erholungsphase und werden sicherlich noch ein Resümee von Nora veröffentlichen.


Episode 14
Episode 13
Episode 12
Episode 11
Episode 10
Episode 9
Episode 8
Episode 7
Episode 6
Episode 5
Episode 4
Episode 3
Episode 2
Episode 1

Instagram: beyer.nora
Twitter: @norabeyer
Facebook: Nora Beyer
Bilder: Nora Beyer
Text: Nora Beyer / Alex Clauss

Dieser Post ist in jedem Fall für alle, die gerne lange und mehrtägig auf der Straße unterwegs sind und sich eventuell sogar selbst versorgen.

Coast Cycles

Der Name ist Programm, da der Erbauer aus New York City kommt und damit an der Ost-Küste der USA wirkt.

Ansonsten bietet Coast Cycles auch Renn-, Stadt und Tourenrädern an.

Brevet Cycles

Auch hier ist der Name Programm. Brevet steht bekanntlich für Langstreckenfahrten, die in einem bestimmten Zeitfenster zu erfolgen haben. Mit einem Tandem geht das meist ein wenig leichter, weil man zwei Antreibende, aber gänzlich nur einmal Winderwiderstand hat. Gesetzt dem Fall, dass der Stoker auch ordentlich in die Pedale tritt.

Für letzteren findet sich ein schönes Detail, nämlich, dass der Lenker sehr einfach auch in der Länge durch einen gesteckten 1-Zoll Gewindevorbau verstellbar ist. Lackiert wird bei Brevet Cycles inhouse und der geneigte Leser kann hier gerne mal hinter die Kulissen schauen.

Cyfac

Cyfac aus Frankreich, ist seit 1982 im Geschäft und hatte bekanntlich einige erfolgreiche Fahrer in der Vergangenheit. Das gezeigte Rad war letztes Jahr bei Concours de Machines im Einsatz, ist einfach Gefährt mit tollen Details und in jedem Fall auf Leichtbau getrimmt, auch wenn ich leider keine Zahl nennen kann, aber wohl deutlich unter 10kg liegen wird.

Woodrup Cycles

Laut eigener Aussage fertigt Woodrup schon über fünfzig Jahre Fahrradrahmen und Kompletträder. An dieser Stelle muss ich einfach gleich zwei Räder zeigen, wenn auch das erste eher zu meinem vorangegangenen Post passt.

Dafür passt das zweite Gefährt dann gut in die aktuelle Kategorie, das ich jetzt einfach unkommentiert wirken lasse.

Stanforth Bikes

So ganz klassisch ist der folgende Randonneur von Stanforth mit fehlendem Gepäckträger wohl eher nicht, aber dafür sorgt die neuerdings vorhandenen großen Satteltaschen für etwas mehr Stauraum. Dafür gewinnt das Rad aus Edelstahlrohr mit sehr klassischer Komponentenauswahl wohl trotzdem eine hohe Punktzahl, die entsprechend prämiert wurde.


Alle Bilder von Ben Broomfield

 

Weiter geht es mit unserer Berichterstattung von der Bespoked 2018!

Demon Frameworks

Über den KS2000-1 von Demon Frameworks haben wir bereits kürzlich berichtet, aber hier steht das Ding nun in Farbe. Um ehrlich zu sein: Mir ist das ein wenig zu viel Glitter und vielleicht schmerzt es auch dem Rahmenbauer in mir, weil die Handarbeit der Nähte nun unter einer dicken Lackschicht verborgen ist. Wobei ich natürlich auch wieder die exzellente Arbeit im Aufbringen selbiger sehe, die nach Aussage von Tom einen vierstelligen Betrag gekostet hat. In Summe hat das Rad vier Preise gewonnen, sodass mein Geschmack wohl einfach ein wenig anders sein mag.

Die Auszeichnungen:

  • Public Vote Award
  • Cyclist Magazine Award
  • Peer Award
  • honourable mention for Best In Show

Quirk

Rob Quirk aus London zeigte ein Lo-Pro Bahnrad mit starken Cinelli Laser Genen, das sich aber definitiv nicht dahinter verstecken müsste. Die handwerkliche Verarbeitung ist wirklich vom Feinsten! In jedem Fall lohnt sich auch mal ein Blick auf Rob’s Homepage oder Instagram feed.

Saffron

Das Beste aus drei Welten. Unter diesem Titel könnte dieses Rad oder eher der Rahmen von Saffron Frameworks stehen. Kettenstreben, Unterrohr und Steuerohr sind aus Edelstahl, wobei letzteres in ein Oberrohr aus Holz und selbiges direkt in die Sitzstreben übergeht.

Abgestützt durch ein Sitzrohr aus Carbon ergibt sich ein Rad, das es so wohl wirklich noch nie gegeben hat. Hier wäre ein kurze Probefahrt zum Fahrverhalten interessant, aber das war auf der Messe leider nicht möglich, wobei anzunehmen ist, dass es sehr komfortabel ist. Ob man Komfort an einem Fixie oder Bahnrad benötigt sei dahin gestellt, aber eine ansehliche Machbarkeitsstudie ist es auf jeden Fall.

Trainor

Trainor Cycles war mir bis dato unbekannt und leider gibt die Homepage, außer „made in Manchester“ nicht viel her. Aus diesem Grund lassen wir hier einfach die Bilder wirken.

Lapsley

Von diesem Rad hätte ich gerne mehr Bilder bekommen, aber die Datenbank der Bespoked gibt leider nicht mehr her.

Ausgezeichnet wurde der Erbauer mit „Best new framebuilder“ Award und so kommt es, dass Mick Lapsley aktuell noch gar keine eigene Homepage hat. Dafür kann man sich trotzdem ein wenig in seinem Instagram-Account umsehen.


alle Fotos von Ben Broomfield