Von der Lust am Lastenrad: 10 Fragen an Helena Reinsch

Anfang Dezember 2013 stieß ich beim üblichen Durchstöbern verschiedener Hersteller-News auf einen interessanten Blogbeitrag bei Patria. Darin beschrieben die Patria(rchen) den Bau eines Lastenrads, das es bei Patria eigentlich gar nicht im Produktsortiment gibt.

Urheberin des Ganzen ist die angehende Produktdesignerin Helena Reinsch, die das Projekt unter tatkräftiger Mithilfe der Patria-Stahlrahmenexperten realisieren durfte. Nach freundlicher Anfrage konnte ich einen Kontakt zu Helena herstellen und sie mit meinen legendären “10 Fragen an …” quälen … was sie mir postwendend mit einer Auswahl sehr ansehnlicher Fotos heimzahlte. Vielen Dank!

1) Du studierst Produktdesign. Wo liegen hier Deine Schwerpunkte bzw. Interessen? Ich bin mitten in meinem Studium an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach und probiere mich in vielen Bereichen aus. Der Bau des Lastenrads war mein erstes Projekt außerhalb der Hochschule.

2) Wie bist Du auf die Idee gekommen, ein Lastenrad zu entwerfen und zu bauen? Als ich eine Gasflasche auf dem Lenker meines Rennrads durch den Berufsverkehr balancierte, wurde mir die Notwendigkeit eines Lastenrads drastisch deutlich. Ein Auto sehe ich nicht als Lösung.

3) Was sind die besonderen Konstruktions- und Designmerkmale Deines Lastenrads? Ich wollte ein Fahrrad bauen, welches schnell und praktisch ist und welches Frauen und Männer gleichermaßen benutzen können.

Das heißt: Mein Lastenrad hat zwei Räder, nicht drei, es ist nicht schwer zu halten (auch im Stand, beladen), weil die Last tief liegt. Die Lenkstange ist nicht senkrecht, sondern leicht nach vorne gekippt. Dadurch verlängert sich die Ladefläche, ohne dass der Radstand zu lang wird (1,70 m).

4) Warum setzt Du auf den Werkstoff Stahl und nicht etwa auf Aluminium? Ich finde Stahlrahmen mit den Muffen als Knotenpunkte der Rohre eine elegante und sehr klassische Lösung und attraktiver als viele Aluverbindungen. Außerdem ist die Produktion von Aluminium kritisch zu betrachten.

5) Hast Du vor, Dein Lastenrad auch kommerziell zu vermarkten, z.B. als Einzelanfertigung nach Maß oder in Kleinserie? Ich werde so oft auf das Fahrrad angesprochen, dass ich in dieser Hinsicht optimistisch bin.

6) Könntest Du Dir vorstellen, in Zukunft auch andere Fahrräder zu entwerfen? Auch in der Hinsicht bin ich zuversichtlich. Im Rahmenbau habe ich in Praktika bereits von Carbon bis Stahl einiges kennengelernt. Da ist doch klar, dass mich Fahrraddesign fasziniert.

7) Wie kam der Kontakt zu Patria zustande und wie wurdest Du konkret unterstützt? Die schlichten Stahlrahmen von Patria haben mir gefallen. Also habe ich vor meinem Studium an der HfG ein Praktikum in der Manufaktur, im Rahmenbau gemacht.

Bei den Entwürfen für das Lastenrad hat mich Jochen Kleinebene unterstützt, der Chef  persönlich. Beim Bau des Rahmens habe ich sehr von der Unterstützung und Erfahrung des Teams profitiert.

8) Wie oft fährst Du selbst Rad? Ich erledige fast alle Wege mit dem Fahrrad. Mit meinem Lastenrad transportiere ich nicht nur Einkäufe, sondern kutschiere auch Freunde durch die Stadt.

9) Was für ein Rad fährst Du selbst am liebsten? Mein liebstes Rennrad wurde mir vor einigen Wochen geklaut, ein altes Motobecane. Mein allerliebstes MTB für DirtJump, ein Rufus-Rahmen von Last mit der Argyle-Gabel von RockShox, hat viel zu selten Auslauf.

10) Was sind Deine nächsten Projekte und Pläne? Ich habe total Lust Downhill zu fahren. Vielleicht entsteht aus dieser Begeisterung ja auch irgendwann ein eigenes Projekt.

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2 Kommentaren

  1. retorix sagt:

    Design (und Designerin) gefallen mir sehr.
    Allerdings hätte ich Schiebenbremsen montiert bzw. würde es nicht ohne kaufen wollen.

  2. botchjob sagt:

    ja insgesamt ein schönes und durchdachtes rad. als kritikpunkt hätte ich da neben den schon angesprochenen bremsen noch den etwas schmächtigen Ständer anzubringen. da wäre mir glaub ich ein etwas massiveres modell über die volle breite des Frachtabteils lieber.

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