Framebuilder-Friday: Meerglas

Thomas Becker alias Meerglas ist in den letzten Jahren zu einer Größe im deutschen Rahmenbau aufgestiegen – insbesondere hinsichtlich klassischer Randonneure und der Pflege des traditionellen Rahmenbauhandwerks. Seit einiger Zeit ist es allerdings in den sozialen Netzwerken etwas ruhiger um ihn geworden. Grund für uns ihn am Rande der Kolektif Bike Fair in Berlin zu treffen und ihm ein paar Fragen zu stellen.

Es war eine Weile etwas ruhiger um dich geworden, wohin bist du verschwunden?

Ich war nie wirklich weg ;) Ich habe mich nur aus den sozialen Medien
zurückgezogen, da im wahrsten Sinne des Wortes andere Baustellen
wichtiger waren. Ende 2018 haben wir die tolle Nachricht bekommen, dass wir ein zweites Kind bekommen. Das zwang uns allerdings uns nach einer neuen Wohnung
umzuschauen. Das haben wir dann auch ein halbes Jahr getan.

Ihr seid schlussendlich aus Berlin weggezogen. Was hat dich dazu bewogen Berlin zu verlassen und dich im ländlichen Brandenburg niederzulassen?

Im Speckgürtel von Berlin zahlt man mittlerweile das gleiche wie in
Mitte. Mit Werkstatträumen ist es das gleiche. Daher trafen wir die
einfache Vernunftentscheidung zurück in die alte Heimat, die Prignitz, zu ziehen.
Hier haben wir Freunde und Familie und ganz viel Natur. Außerdem war es
auch immer der Traum die eigene Werkstatt auf dem Land zu haben und
unabhängig von Miete zu sein. Also kauften wir einen kleinen alten
Bauernhof mit 2 Scheunen und machten uns an die Arbeit.

Was ändert sich für deine Kunden, die ein Meerglas haben möchten? (Wie kommt man am besten zu dir oder an sein neues Meerglas?)

Für die meisten Kunden ändert sich nicht viel. Die aus dem Norden haben
sogar ne Stunde weniger Anreise. Die Ecke, wo wir nun leben, ist super
angebunden. Der Regio aus Wismar und Berlin hält im nächsten Ort, der
ICE in Wittenberge (15min mit dem Auto). Außerdem geht der Elberadweg
fast direkt an der Haustür vorbei. Der einzige Nachteil ist, dass die
Warteliste ein wenig länger geworden ist. Zur Zeit: 1+ Jahr. Die Werkstatt
zu renovieren hat eben alles ein wenig nach hinten geschoben. Die
Kontaktaufnahme läuft nach wie vor über Mail (tom@meerglas.org) und Telefon (+49 152 5991 4340).

Hast du das Gefühl, dass die Luftveränderung und die ruhigere Umgebung sich auf dich und deine Art, wie du die Räder baust, auswirken?

Ob sich meine Art des Rahmenbaus ändert, kann ich noch gar nicht sagen.
Nach der Kolektif setze ich mich direkt an die Planung
der nächsten Räder, sprich die ersten die in der neuen Werkstatt gebaut werden. Ich hoffe
allerdings, dass ich hier mehr Ruhe habe und die Stückzahl ein wenig nach
oben schrauben kann. Im Großen und Ganzen denke ich, dass das
entschleunigte Leben hier sich natürlich auch auf die Qualität auswirkt.
Stress ist nie gut fürs Handwerk.

Was sind deine Pläne für die nächste Zeit (nachdem die Werkstatt voll einsatzfähig ist)?

Seit Jahren überlege ich, ob ich zwei einfach zu bestellende Modelle (Rennrad
und Randonneur) realisieren kann: einheitliche Rahmengrößen,
vereinfachte Bestellung, kurze Lieferzeit. Bisher kam immer was
dazwischen. Vielleicht entwickelt sich da jetzt was.

Vielen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg!

Am Ende noch eine kleine Bildergalerie zu den Umbauarbeiten der neuen Werkstatt.

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