Made in Germany. Made in Taiwan.

Heute erhielt ich eine E-Mail von einem Bikeshop-Besitzer aus Holland, der mir mitteilte, dass eine Radmarke in meiner Herstellerliste ihre Stahlrahmen nicht im genannten Land, sondern in Taiwan produzieren lasse und dass ich das eventuell ändern möge.

(Foto: www.nationalflaggen.de)
Dies nehme ich zum Anlass, ein Mal kurz zu beschreiben, wie und warum ich Hersteller bestimmten Ländern zuordne. Im Grunde ist es simpel: Maßrahmenbauer haben es leicht. Sie entwickeln und produzieren in der Regel zu Hause in ihrem Heimatland. Punkt. Ausnahmen wie das im letzten Blog-Post erwähnte Modell von Bruce Gordon bestätigen wie immer die Regel.

Anders sieht es dagegen bei Serienherstellern aus, egal ob klein oder groß. Hier liegt meist die Entwicklung und das Design im Heimatland, während die Produktion in Taiwan, Italien, Tschechien oder sonstwo erfolgt. Deshalb sortiere ich die Hersteller in das Land ein, in dem das Rad entwickelt wird. Würde ich den Produkionsort wählen, hätten wir auf ein Mal eine enorme Listenverlängerung in Taiwan und es würde in anderen Ländern ziemlich öde aussehen.

Viele renommierte Hersteller lassen inzwischen in Taiwan bauen, zu Recht. Sie reden leider nicht unbedingt gerne darüber. Zu negativ wird immer noch in vielen Radforen darüber diskutiert (wobei sich das Niveau der Diskussion meist auf Stammtischlevel bewegt), zu sehr haftet dem Standort noch der Makel des „Billigheimers“ an, zu groß die Angst vor einem Imageschaden. Andere wie Velotraum sprechen es klar und deutlich aus, dass ihnen Made in Taiwan einfach mehr Optionen und Qualität fürs Geld bietet. Und viele Radler wären überrascht, wenn sie wüssten, wo ihr ach so „deutsches“ oder „italienisches“ Rad produziert wird.

Lokalkolorit ist toll und „Support your local Framebuilder“ auch. Aber letztendlich geht es mir vor allem um Qualität und Vielfalt, nicht um den Produktionsort. Und es geht um die Kosten. Wie viele Biker würden freiwillig deutlich mehr Geld bezahlen, wenn ihr Rad zwar aus Deutschland käme, es aber keinerlei Qualitätsunterschiede gäbe? Vielleicht genug, um einzelne Maßrahmenbauer und Edelmarken am Leben zu erhalten. Mit Sicherheit aber nicht genug, um gerade kleine Serienhersteller überleben zu lassen. Denn deren kleine Stückzahlen verursachen ohnehin schon höhere Preise, die dann weiter steigen würden. Vielfalt adé!

Das soll übrigens nicht heißen, dass in Taiwan generell Top-Qualität produziert wird, so wie in Deutschland übrigens auch. Aber es gibt genügend Bike-Manufakturen, die sich vor keiner europäischen Produktion verstecken müssen. Und die es den jungen, wilden Bike-Marken überhaupt erst ermöglichen, ihre Ideen zu vertretbaren Kosten auf den Markt zu bringen.

In diesem Sinne: Made in Germany ist oft Made in Taiwan. Gut so!


2 Kommentaren

  1. Stefan Roser sagt:

    so ganz kann man das nicht stehenlassen.
    Schon richtig, auch taiwanesische Manufakturen können excellente Qualität liefern, siehe Maxways, die für viele renommierte Hersteller arbeiten.

    Der Nachteil der Auslagerung in ferne Länder ist auch weniger die Verarbeitungsqualität, als die Vereinheitlichung von Produkten.

    Vielfalt gibt es vor allem bei Labeln und Designs. sieht man sich das Größenspectrum an, bei Rahmen, Laufrädern und Kurbeln wird fast nur noch der wirkliche oder vermeintliche Mainstream bedient.

    Das war zu Zeiten lokaler Produktion bei Qualitätsherstellern durchaus anders. Da gab es üblicherweise 6-13 Größen anstatt heute 2- 5 Größen.

  2. Iwo sagt:

    Also was die Vielfalt bei der Rahmenkosntruktion angeht, sehe ich schon enorme Unterschiede bei einzelnen Herstellern. Ich denke, dass es darauf ankommt, gemeinsam mit dem Produzenten etwas Eigenes zu entwickeln (und einen Produzenten zu finden, der über genügend Know-how verfügt, um die Ideen umzusetzen). Und das funktioniert auch oft, siehe Fixie Inc. oder Velotraum. Das enge Größenspektrum ist sicher ein Minuspunkt. Gerade als kleine Marke mit geringen Stückzahlen hat man wahrscheinlich nur 2 Möglichkeiten: wenige Größen und mehr Modelle oder mehr Größen und weniger Modelle. Es sei denn, man hat genügend Kapital, um viele Modelle in vielen Größen und hohen Stückzahlen vorzufinanzieren. Aber wer hat das schon.

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