Genuss der neuen Langsamkeit: 1.800km mit dem Vogel Randonneur

Nachdem ich nun gute 2 Monate und rund 1.800 km meinen Vogel Randonneur fahren darf, ist es Zeit für ein kurzes Fazit. Mit einem Wort: grandios!

Die Geometrie passt wie eine zweite Haut, der Stahlrahmen scheint mir die perfekte Balance aus Stabilität, Vortrieb und Komfort. Der von mir ursprünglich etwas befürchtete Steifigkeitsüberschuss und Komfortverlust durch den Columbus Max Hauptrahmen hat sich nicht bestätigt, was mit Sicherheit auch am Zona/XCr-Hinterbau liegen dürfte. Der Rahmen ist deutlich steifer als mein gutes altes (inzwischen verkauftes) Nöll T3, was gerade auch im Wiegetritt spürbar wird (und hilfreich ist), aber gleichzeitig so komfortabel, wie es meine alten Knochen brauchen.

Das Rad hat auch mein eigenes Fahrverhalten verändert: ich war zwar auch bisher nicht besonders schnell unterwegs, bin aber nun noch ein wenig langsamer geworden. Die aufrechtere Sitzposition, das sichere, schienenartige Fahrgefühl und die robusten 28er Schwalbe Durano verführen dazu, mehr von der Landschaft zu genießen und mit kleineren Gängen und höherer Frequenz die Mittelgebirgslandschaften zwischen Schwarzwald und Schwäbischer Alb zu erkunden – ohne auf jeden Kiesel zu achten. Nur zur Klarstellung: man kann mit dem Vogel Randonneur richtig flott unterwegs sein, aber ein wenig gebremster Schaum scheint dem Gesamtpaket aus Rad und Fahrer einfach besser zu stehen.

Auch an die Rohloff Speedhub habe ich mich inzwischen nicht nur gewöhnt – ich möchte sie wirklich nicht mehr missen. Allein die Tatsache, nicht mehr auf Kettenlinien und korrektes Überspringen der Kette beim Wechsel der Kettenblätter achten zu müssen, ist eine Befreiung. Die eingebaute Kaffeemühle in den unteren Gängen irritiert inzwischen auch nicht mehr. Und der Gilles Berthoud Schalter sieht nicht nur cool aus, sondern arbeitet auch zuverlässig.

Die mechanischen Avid BB7 Road Scheibenbremsen sind ebenfalls ein beruhigender Faktor: nach kurzer Einbremszeit bei jeder Fahrt tun sie quietsch- und schleiffrei ihren Dienst – mit viel Druck, aber immer auch gut dosierbar.

Ich werde demnächst noch mehr zu anderen verbauten Komponenten wie beispielsweise dem Nitto Noodle Lenker und dem Selle An-Atomica Ledersattel sagen, denn interessanterweise erreichen mich speziell zu diesen beiden Parts einige Fragen von Lesern des Stahlrahmen-Blogs.

Zuguterletzt noch eines: das Rad begeistert mich nicht nur funktionell, sondern jeden Tag aufs Neue auch ästhetisch. Ich hatte noch kein Rad, das ich jedes Mal bewundernd anschaue, wenn ich daran vorbeikomme. Das ist es eben, was einen Maßrahmen ausmacht: die einzigartige Mischung aus künstlerischer Skulptur und technischem Objekt, nach persönlichem Geschmack geformt und durch individuelle Komponenten ergänzt, die aus einem Rad ein echtes Unikat macht.

Anders gesagt: ich bin extrem glücklich mit dem Vogel Randonneur!

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7 Kommentaren

  1. hAnnes sagt:

    Hey Iwo!
    Ein feines Stück Rad hast dir da zusammengebastelt. Die Kombination aus Sugino, Rohloff und Kettenspanner finde ich elegant gelöst.
    Was ich aber vermisse: planst du keinen Kettenschutz für Schmuddelwetter? Ich finde das super praktisch, die Hosenbeine bleiben auch öl- und fettfrei. ;-)

    Viel Freude wünsch ich dir noch mit dem Hobel, gute Fahrt!
    Lg Hannes

  2. Iwo sagt:

    Hallo Hannes, den Kettenschutz brauche ich wirklich nicht, da ich auf dem Land lebe und nur mit Bike-Klamotten fahre. Und den Rahmen halten die Berthoud-Schutzbleche ziemlich blitzblank ;o)

    Viele Grüße
    Iwo

  3. Stan sagt:

    Hi Iwo, ich bin nun schon mehrfach über dein Rad im Web gestossen und kann mich nur dir anschliessen, ein feines Gesamtpaket, nicht nur optisch. bin gespannt wie deine Meinung zum Noodle ist, ich hab mir jetzt auch einen bestellt. auch wenn viell. zu speziell, aber mich würden die Geometriedaten vom Rahmen mal interessieren, und dazu natürlich auch deine Größe und SL. der Rahmen sieht sportlich und gleichzeitig komfortabel aus, in der Serienproduion hab ich diese Mischung bisher noch nicht gefunden, zumindest nicht für meine “Maße” :-)

    Grüße

  4. Lurch sagt:

    Hallo,

    ein sehr schönes und vor allem markantes Rad sehe ich da. Was mich besonders interessiert, ist der Kettenspanner. Ich bin Purist und würde Single-Speed fahren, wäre das Rad durch die definierte Übersetzung dann nicht für ein paar seltene Anwendungen eher ungeeignet. Ich plane daher, mein Standard-Crossrad künftig (bin gerade nicht liquide) zwei-drei hochwertige Ritzel zu spendieren und so auch für die Winterzeit, Touren mit schweren Gepäck, großen Einkauf etc. gerüstet zu sein. Quasi einfach Kette umlegen und in alternativer Übersetzung weiterfahren. Da scheint mir ein an der Kurbel angebrachter Kettenspanner sehr geeignet. Einzig an der Auswahl mangelt es da noch ein wenig.
    Etwas OT jetzt: Kannst du mir als (zugegebenermaßen) Laien vllt. ein paar Adressen für langlebige Antriebskomponenten (Ketten, Ritzel, Kettenblatt) empfehlen? Bin nicht sicher, was ich kaufen kann und zweifle auch an der Hochwertigkeit der angebotenen Materialien. Ich habe eigentlich wenig Lust, die Teile alle 1-2 Jahre auszutauschen und dachte, dass sowas früher auch mal länger gehalten hat…

    Schönen Gruß,
    ein regelmäßiger Besucher des Blogs :)

  5. Iwo sagt:

    Hi Tilmann,
    der Surly Kettenspanner beim Vogel Randonneur ist nicht an der Kurbel befestigt, sondern an einer speziell angelöteten Brücke unter dem Tretlagergehäuse verschraubt. Das kann man so leider nicht kaufen. Ein Kettenspanner hilft dir aber nix, wenn du mehrere Ritzel nebeneinander fahren willst -> Kettenlinie.
    Die Lebensdauer der Materialien hängt natürlich auch mit deiner Laufleistung zusammen. Und wie immer wirst du in Foren total unterschiedliche Meinungen zur Qualität und Haltbarkeit von Komponenten lesen. Aus meiner Sicht tolle Kettenblätter gibt es z.B. von Specialité T.A. Bei Ketten nutze ich selbst auch immer “Standardware” z.B. von KMC oder Wippermann. Auch Ritzel bzw. Kassetten von Shimano oder SRAM. Das sind eben einfach Verschleissteile, die (ja nach Fahrleistung und Pflege) nach 2 jahren verschlissen sein können.

    Viele Grüße
    Iwo

  6. Lurch sagt:

    Danke für die Antwort :)

    Meine Idee ging in die Richtung, dass auch ein vorderseitig befestigter Kettenspanner einen minimalen Schräglauf verkraften würde, der ohnehin nur in bestimmten Ausnahmesituationen (<< 15 % der Nutzung) in Erscheinung tritt. Evtl. könnten die zwei Ritzel auch so verbaut werden, dass die Kette bei geraden Lauf genau zwischen diese auftreffen müsste und so zwar in jeder Situation ein Schräglauf in Kauf genommen werden muss, der dafür aber wirklich vernachlässigbar ist und hoffentlich zu keinem spürbar höheren Verschleiss führt. Ich habe auch einen nachträglich über die Kurbelaufnahme montierbaren Spanner irgendwo im Netz erspäht, muss den Link mal rauskramen… Ich mag zwar die grazilen Singlespeeder, will mir aber aus Platz- und monetären Gründen gerade keinen 'Unitasker' leisten…

    Ciao und schöne Grüße,
    Tilmann

  7. Avanco sagt:

    Moin Tilmann,

    Sram als auchSturmey Archer Haben die 2-Gang-Nabenschaltung reaktiviert.
    Erstere mit der “Duomatic”, ja richtig: eine Automatikschaltung.
    SA mit der traditionellen Rücktritt-Schaltung, ich glaube “kick-shift”.
    Besonders billig oder leicht sind beide nicht, aber du hast 2 Gänge ohne jegliche Schaltzüge oder Hebel etc.

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