Deshalb Stahlrahmen

Warnung: Erhöhte Pathosgefahr! Ihr müsst Euch Eurer Tränen bei der Lektüre nicht schämen ;o)

Ich könnte an dieser Stelle die überzeugenden technischen Vorzüge eines Stahlrahmens präsentieren, wie es beispielsweise Achim Nöll auf seiner Website ausführlich tut und wie es von Georg Blaschke (Gebla) ebenso ausführlich relativiert und objektiv eingeordnet wird. Aber darum geht es mir nicht. Für mich geht es beim Thema Stahl um mehr: Leidenschaft, Ästhetik, Stil, Individualität und Understatement.

Ohne Übertreibung: ein handwerklich gefertigter Stahlrahmen hat eine Seele und eine Persönlichkeit, während ein Alu- oder Carbonrahmen für mich ein kühles, technisches Produkt ist (auch wenn die enorme Hässlichkeit der ersten Modelljahre inzwischen meist passé ist).

Die zierliche, filigrane Eleganz eines Stahlrahmens verführt dazu, ihn berühren zu wollen. Nicht um zu wissen, wie schwer er ist, sondern um ihn persönlich kennenzulernen. Das ist wichtig, denn hochwertige Stahlrahmen können einen über mehrere Jahrzehnte begleiten. Sie werden zum treuen Freund und Begleiter und nur selten zum leistungsverdammten Sportgerät degradiert.

Einen muffenlos gelöteten Stahlrahmen zu bauen ist Kunst bzw. ein Kunsthandwerk. Wie sich die schlanken Rohre aneinanderschmiegen, als ob sie eins wären, verzaubert einfach. Als ich mein Nöll T3 vor 15 Jahren erstmals in den Händen hielt, stockte mir der Atem. Ich konnte einfach nicht glauben, dass so ein Verarbeitungsniveau und solch ein Fahrgefühl mit enormer Stabilität und gleichzeitig höchstem Komfort möglich wäre. Heute setzen zum Glück immer mehr Stahlrahmen-Manufakturen diese „Fillet Brazed“ Technik ein, aus nackten Einzel-Rohren ein kunstvolles, edles und harmonisches Ganzes zu schaffen.

Nicht dass ich etwas gegen klassisch gemuffte oder geschweißte Stahlrahmen hätte, auch ihnen kann ich einiges abgewinnen. Auch die modernen, größeren Rohrdurchmesser, die zur weiteren Gewichtsreduzierung beitragen, können durchaus faszinieren. Aber ich bin nun Mal ein altmodischer Traditionalist mit teilweise modernen Ansprüchen.

Und vor allem zählt der Werkstoff Stahl. Ich kann mit dem unaufhörlichen und massenkompatiblen „Leichter-Schneller-Steifer-Wettbewerb“ der Alu- und Carbon-Industrie nichts anfangen. Ein Stahlrahmen-Bike zu fahren ist für mich dagegen ein klares Statement in Richtung „Ich habe meinen eigenen Stil“ und „Ich kann wenn ich will, aber ich muss nicht“ und „Ich folge keinem Trend, ich gestalte meinen eigenen“ und “Ich möchte ein Fahrrad, das meiner Persönlichkeit entspricht und nicht nur meinem Bedürfnis, von A nach B zu kommen”.

Stahl lebt und verströmt einen besonderen Duft, wie Stahlrahmen-Legende Dario Pegoretti es nennen würde. Ich freue mich darüber, dass wieder mehr Radler das zu erkennen scheinen. Und ich bin begeistert darüber, dass es wieder neue, höchst innovative Manufakturen gibt, die Ihre Rahmenbaukunst der Leidenschaft Stahl verschrieben haben. In Deutschland, überall in Europa und vor allem in den USA, wo sich der Bau von Stahlrahmen zu einer neuen Form von Kunsthandwerk entwickelt hat und eine wahre Rennaissance erlebt.

In der rechten Spalte dieses Blogs finder Ihr die wahrscheinlich umfassendste Liste mit Stahlrahmenbauern weltweit. Ergänzungen und Tipps ausdrücklich erwünscht!!!

Über sie werde ich hier im Stahlrahmen-Blog berichten. Damit die ohnehin wachsende Gruppe der Stahlrahmenfreunde weiter wächst.

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51 Kommentaren

  1. Pingback: Fahrräder aus Stahl – mehr als nur Drahtesel | stahl-blog.de

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