Peter Verdone – Der Kriegsvogel

Peter Verdone?

Eingefleischte Stahl-MTB und Geometrie-Interessierte stolpern früher oder später über Peter Verdone und seinen Blog.

Wer ihn nicht „kennt“, dem sei Folgendes kurz erläutert:

Peter ist ein mittelalter, leicht verrückter und teilweise sehr von sich selbst überzeugter Kerl aus Kalifornien, genauer aus Fairfax, der seinen Lebensunterhalt in den Werkstätten San Francisco State University verdient. Dort entwickelt und baut er Geräte für die Forschung im Bereich Physik und Astronomie, wenn er nicht in seiner Freizeit diversen Hobbies frönt.

Weil er aber mit dem status quo im Grunde nie zufrieden ist, verbessert er die Hobby-Geräte immer wieder oder baut sie einfach komplett neu, entsprechend seinen Wünschen und Anforderungen. Dadurch, dass er quasi in/an der Geburtsstätte des Mountainbikes lebt, ist selbiges Gefährt wohl nur nicht Freizeitaktivität, sondern offensichtlich auch Teil seiner Lebenseinstellung.

Seit einigen Jahren experimentiert er ziemlich progressiv und manchmal ohne Rücksicht auf Konventionen mit Fahrradgeometrien sowie Detaillösungen, weil das Bessere nun mal der Feind des Guten ist. Besonders ist, dass er im Grunde alle seine Verbesserungen selbst konstruiert und umsetzt, somit auch Rahmen herstellt, wofür ihm andere manchmal zuarbeiten, in dem sie die gewünschten CNC-Frästeile für ihn herstellen.

Meine Aufmerksamkeit hat er schon einige Jahre, besonders nachdem er mich Anfang 2017 bei der NAHBS in Salt Lake City, neben vielen anderen Größen, interviewed hatte (ein wenig runter scrollen) und selbiges ein entspanntes Gespräch über „made in Germany“ und deutsche Ingenieure war.

Jetzt aber zum Warbird!

Nachdem er sein letztes spannendes Projekt veröffentlicht hat, dachte ich, dass das Gerät „Warbird“, sprich Kriegsvogel, hier Erwähnung finden sollte.

Alle Fakten und Maße packt er seit einiger Zeit in Form eines aufgeklebten Typenschildes auf seine Räder, was ich persönlich ziemlich cool finde und keine Fragen bezüglich der Geometrie oder Details offen lässt.

Der zugehörige Post zum Warbird hat die Überschrift:

I don’t make bicycles. I make weapons systems.

Ich baue keine Fahrräder, ich baue Waffensysteme.

Ein Spruch, wie er wohl nur von einem Amerikaner kommen kann, aber eines muss man ihm lassen: Er verbindet jedes seiner Projekte mit historischen oder imaginären Fluggeräten, die er gerne mit Film-Zitaten garniert, aber am Ende nur Vorgeplänkel für tiefen Tech-Talk sind.

Letzeres wollen wir uns in der Tiefe sparen, aber eines will ich an dieser Stelle dann doch aufgreifen oder erklären.

Warum dieses extrem lange Oberrohr und dafür diese ultra kurze Lenker-Vorbau-Kombination?

Eine extrem kurze Antwort, wäre Forward Geometry.

Eine etwas längere: Forward Geometry ist im Grunde ein deutlich längeres Oberrohr als üblich, aber im Gegenzug ein (sehr) kurzer Vorbau. Dies in Kombination mit einem vergleichsweise steilen Sitzwinkel und flachen Lenkwinkel.

Das lange vordere Rahmendreieck bewirkt mehr oder weniger zentraler im Fahrrad, als auf selbigem, zu sitzen. Der flache Lenkwinkel erzeugt mehr Nachlauf und bringt somit Laufruhe bei schnellen Abfahrten. Im Gegenzug ermöglicht ein steiler Sitzwinkel von 75° und mehr für zusätzlichen Druck auf die Front, die einen auch mit großhubiger vergleichsweise entspannt bergauf pedalieren lässt.

Das soll es mit der kleinen Lerneinheit schon gewesen sein. Erwähnenswert finde ich auf jeden Fall noch die wahrscheinlich erstmalige Integration von Flatmount in die Sitzstrebe, um selbige mit einem Postmount-Adapter zu bestücken.

Jetzt lassen wir einfach noch einen ordentlichen Schwung Bilder sprechen, sowie ein Hinweis auf den vollständigen Artikel zum Warbird:

http://www.peterverdone.com/i-dont-make-bicycles-i-make-weapons-systems/

 

 

 

 


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