Geschwindigkeit auf italienisch: 10 Fragen an fratelli cycle

Bereits im Mai habe ich auf dem Stahlrahmen-Blog über Lutz und Guido von fratelli cycle in Holzgerlingen geschrieben. Damals wie heute faszinierte mich der Mut zweier IT-Spezialisten, den sicheren Schoß ihrer gut dotierten Jobs zu verlassen, um ihre Leidenschaft „Italienische Rennräder“ in einen echten, eigenen Radladen zu verwandeln.

Für alle, die den Artikel nicht gelesen haben bzw. nicht lesen wollen: bei fratelli cycle findet man ausschließlich feinste italienische Rennradmarken vom obersten Ende der Qualitätsskala: Passoni, Tommasini, Milani, Viner, CIÖCC und Rewel – aus Titan, Carbon, Stahl und Alu. Und das in der Regel nach Maß gefertigt und individuell zusammengestellt.

Schon knapp ein halbes Jahr nach dem Erstkontakt und nach netten Begegnungen auf der EHBE und der Eurobike ist es mir gelungen, den beiden fratellis endlich die berüchtigten 10 Fragen unter das Radtrikot zu wuchten und Euch hier die Antworten zu präsentieren.

1) fratelli cycle gibt es seit 2010 in Holzgerlingen bei Stuttgart. Wie würdet Ihr Euer Konzept in 2-3 Sätzen beschreiben? fratelli cycle steht für „Rennräder aus Passion“ aus ausschließlich italienischer Fertigung. Bei uns gibt es keine Massenware und keine Rahmen aus asiatischer Fertigung, statt dessen handgemachte Räder für Rennradfahrer, die ein Zweirad mit einer Seele suchen.

2) Warum sollte man ein hochwertiges italienisches Rennrad kaufen und beispielsweise kein deutsches, taiwanesisches oder französisches? Weil die schönsten Räder aus Italien kommen :-) Dabei sind die Italiener keine Weltmeister, wenn es um Leichtbau oder maximale Steifigkeit geht. Doch dafür gibt es in Italien eben auch heute noch Manufakturen, oftmals seit Jahrzehnten in Familienbesitz, die den Radfahrer in den Mittelpunkt stellen, und keine Zahlen oder Tabellen oder STI-Werte, die an den Anforderungen eines ambitionierten Hobby- und/oder Genuss-Fahrer vorbeigehen. Das können die Italiener einfach besonders gut. Und anders als die europäischen oder transatlantischen Nachbarn in einer besonders ansprechenden Verpackung.

3) Ihr seid die klassischen Quereinsteiger und habt sichere Jobs aufgegeben, um Eure Leidenschaft „Rennrad“ zu leben – mit allen Risiken und Nebenwirkungen. Habt Ihr diese Entscheidung schon bereut? Na klar, immer mal wieder. Das war uns allerdings von Anfang an klar. Nur weil wir unsere Leidenschaft zum Beruf gemacht haben, gelten ja dennoch die kaufmännischen Aspekte. Wir machen das ja nicht nur zum Spaß :-) Dennoch überwiegen die guten Seiten. Wir würden das wieder machen. Natürlich!

4) Euer Laden ist mehr Galerie oder Designer-Boutique als klassischer Radladen. Seht Ihr darin generell einen neuen Trend in der Präsentation des Lifestyle-Objektes Fahrrad oder passt das einfach besonders gut auf Eure hochwertige Produktpalette? Wir sind ja, alleine schon durch die Beschränkung auf Rennräder, kein klassischer Laden und wollten uns daher auch nicht so einrichten. An eine Galerie oder Boutique hatten wir allerdings auch nicht gedacht. Ein Trend ist das aus unserer Sicht nicht. Für uns war es einfach naheliegend unseren Laden so zu gestalten.

5) Wie lässt sich Euer Kundenspektrum beschreiben? Wer kauft bei fratelli cycle? Und woher kommen Eure Kunden? Kunden und Interessenten haben wir tatsächlich aus ganz Deutschland, Räder von uns fahren z.B. in Frankfurt und München. Anfragen bekommen wir auch schon mal aus England oder Singapur. Bislang durften wir aber noch kein Rad auf eine so weite Reise schicken. Früher oder später findet jeder den Weg zu uns, der die Leidenschaft für schöne und exklusive Rennräder aus Italien mit uns teilt. Wenn du einen Maßrahmen möchtest, dann musst du lange suchen. Bei uns ist das Standard.

6) Welche Kriterien müssen Marken erfüllen, um in Euer Sortiment aufgenommen zu werden? Vollständige Rahmen-Fertigung in Italien. Das ist das eine, erste und wichtigste. Als fast logische Konsequenz kommt dann die Fertigung auf Maß und eine ansprechende Optik. Das eine ergibt ja das andere. Und wenn dann die Chemie zwischen den Machern und Menschen stimmt, dann passt einfach alles.

7) Welches Rahmenmaterial verkauft sich am besten? Carbon? Titan? Stahl? Bei uns aktuell noch Titan und Carbon. Wir wünschen uns sehr, dass wir viel mehr Stahl an den Mann oder die Frau bringen. Vielleicht in der kommenden Saison.

8) Was sind Eure nächsten Projekte, Pläne oder Events? Im September hatten wir ein schönes Event im Laden: Eine Lightweight Testfahrt für angemeldete Teilnehmer. War super. Davor waren wir auf der Eurobike, am Stand von Passoni als deutscher Importeuer. In dieser Funktion bereisen wir derzeit die Händler, die Passoni ins Portfolio aufnehmen möchten. Außerdem waren wir Ende Oktober bei einem Golfturnier präsent. Und es stehen ein Benefiz Rad-Rennen, das in einer Küche an der Herdplatte endet und verschiedene Autoren-Lesungen im Laden auf der Agenda. Für 2011 planen wir außerdem ein großes Kriterium in Weil im Schönbuch, wenn’s klappt auch ein exklusives Trainingscamp.

9) Wie viel Zeit habt Ihr selbst noch zum Radfahren? Nie genug und in diesem Jahr auch zu wenig. Wir geloben Besserung.

10) Welche Räder fahrt Ihr persönlich am liebsten? Puh, das ist ja wie zu Hause… „Schatz, wie gefällt dir meine neue Frisur?“ Gibt es darauf überhaupt eine richtige Antwort? Lutz fährt aktuell ein Ciöcc, ich (Guido) ein Tommasini. Wir fahren ja alle Räder, die wir im Laden haben, selbst zur Probe. Dabei ist es immer wieder erstaunlich, wie unterschiedlich sich die Räder anfühlen, auch wenn sie auf dem Papier ganz ähnlich sind.

Guido: Ich mag es am liebsten, wenn mir das Rad ein direktes Feedback gibt, ohne übertriebene Härte. Dabei soll es wendig und willig sein, aber eben nicht nervös. Das Velocista von Tommasini meistert diese Anforderungen vorbildlich.
Lutz : Mich fasziniert natürlich stets die anmutige Linie unserer Stahlrahmen. Für mich selbst und den Alltag ziehe ich allerdings das Ciöcc Keen Blade vor. Es ist das richtige Werkzeug für schnelle Antritte und rasante Abfahrten.

Übrigens: Falls Ihr Cyclocrosser seid und am Euch liebsten mit italienischer Feinkost unter dem Allerwertesten durch den Matsch wühlt: vom 28.11. bis 19.12.2010 gibt es Crosser-Wochen bei fratelli – mit 10 Prozent Rabatt auf alle Cross-Modelle.


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