Eine Ode an das Fahrrad und dessen Herstellung

Man sieht Carlo Carlà zwar nicht wirklich nicht beim Rahmenbau, aber was er so während der Montage eines seiner Räder erzählt, ist in jedem Fall hörens- und, Untertitel sei Dank, auch lesenswert.

Viel mehr als, dass Carlo der letzte Rahmenbauer aus Süditalien, genauer aus Bari, ist, konnte ich leider nicht auf die Schnelle herausfinden. Weiß jemand mehr beizusteuern?

Ansonsten gibt es natürlich auch einen guten Schwung über sein Leben im folgenden Video:

Carlo Carlà – La bicicletta from Iride on Vimeo.

Die diesjährige Bespoked ist zwar schon fast einen Monat Geschichte, aber anscheinend war der offizielle Fotograf Ben Broomfield schwer beschäftigt.

Nun also starten wir, wie angekündigt, eine Artikelreihe über die kleine, aber sehr feine Messe aus dem Herzen von Bristol.

Wir starten mit einem kleinen Rundgang über die Messe:


Alle Fotos von Ben Broomfield

 

KS2000-1

Ein kryptischer Projektname, den ich grade auch nicht auflösen kann, aber generell zeichnen sich Tom’s Kreationen eher durch eigens hergestellten Muffen aus, wie man in der Vergangenheit hier schon sehen konnte.

Da sieht die Sache im Folgenden aber doch wenig anders aus:

Laut Demon Homepage arbeitet Tom an einem Rahmen durchschnittlich 150 Stunden, also einen guten Monat. Ich wette beim KS2000-1 musste er nochmal ne gute Schippe drauflegen.

Unglaubliche 1,6 Meter Lotnaht wurden aufgetragen! Wobei das Löten selbst wahrscheinlich Spaß gemacht hat, aber das Verschleifen bei dieser Strecke sicherlich eine echte mentale und physische Herausforderung war.

Auch bei den geschlitzten Verstärkungsblechen sowie den Ausfallern ging er, im wahrsten Sinne des Wortes, eigene Wege. Sie wurden nämlich auf der hauseigenen Retro-CNC-Fräse und nicht, wie vielleicht vermutet, per Laser hergestellt.

Das Resultat kann sich mehr als sehen lassen und es wäre wohl eine kleine Schande, dieses Finish mit Lack zu verdecken, aber soviel sei an dieser Stelle gesagt: Es ist bereits geschehen…

Jetzt erfreuen wir uns aber einfach noch ein wenig am uns bekannten Status, der übrigens aus Reynolds 853 Rohren und Reynolds Speedstream Gabelbeinen sowie eigens gegossener Gabelbrücke erbaut wurde.

Übrigens ließ Tom vor ein paar Wochen bei facebook verlauten, dass er bereits digital an einer weiteren noch extremeren Version arbeitet. Man darf also gespannt sein, was da kommen mag.

Wer noch „ein wenig“ mehr über den Menschen Tom Wanderham lesen mag, dem sei das folgende Interview bei bikerumor empfohlen: Tom Warmerdam interviewed von Anna Schwinn.

 

Steve Bilenky ist wohl so etwas wie ein Urgestein der amerikanischen Rahmenbauer-Szene.

Trotzdem ist er, wie viele andere US-Kollegen, komplett geerdet. Feststellen konnte ich das Ende 2016, als ich zwecks  Philly Bike Expo in Philadelphia aufschlug. Bescheidenheit und über drei Jahrzehnte Erfahrung, sind ein spannendes Gegenüber, wenn man über Fahrräder und die Welt redet.

Vorzeigbare Bilder aus der Werkstatt habe ich leider keine gemacht, aber ich kann euch sagen: Sie war ziemlich voll, was nach einer solch langjährigen Tätigkeit meist keine Seltenheit ist, weil sich einfach gewisse Dinge ansammeln und die Trennung schwer fällt.

Steve baut unter Bilenky Cycle Works seit 1983 Fahrradrahmen oder repariert und modifiziert diese, wie z.B. nachträglicher Einbau von S&S Rahmenkupplungen oder baut Tandems mit tollen Details.

Im folgenden Video kann man sehen, wie er mit ordentlich Flamme einen Rahmen durchlötet und wer dann noch immer nicht genug hat, kann gerne noch den darauf folgenden Imagefilm ansehen.

Enjoy!

Bicycling Magazine: Bilenky Cycle Works from Andrew David Watson on Vimeo.

 

Car Go! Bike Boom!!! – Wie Transporträder unsere Mobilität revolutionieren

Vor gut drei Jahren bin ich, wahrscheinlich bei facebook, über ein Crowdfunding bei startnext zu gleichnamigen Buchtitel gestoßen und musste das Projekt einfach unterstützen.

Zum einen, weil mich der Titel und die Idee ein Buch über Lastenräder förmlich ansprang, zum anderen die tollen Illustrationen von Ralph Berwanger einfach sehr ansprechend waren.

Hinzu kam, dass wir zu diesem Zeitpunkt  selbst vor kurzem „zu Forschungszwecken“ ein Omnium Cargo gekauft hatten und und dieses auch heute noch in unserem Fuhrpark ist.

Warum?

Weil wir (meine Dame und ich) teilweise unser Auto im Stadtteil suchen mussten und uns nach drei Wochen Nichtnutzung einfach nicht mehr erinnern konnten, wo wir es abgestellt hatten.

Soll heißen: Die Notwendigkeit eines eigenen Autos war für uns schlicht nicht mehr gegeben, sodass der abgelaufene TÜV das Schicksal des Punto’s besiegelte. Zwei Jahre waren wir daraufhin mit dem Fahrrad, Bus, Bahn, Car Sharing und gelegentlich mit einem Mietauto über das Wochenende unterwegs. Ich bin geständig: Heute haben wir wieder ein Auto, weil wir nicht mehr direkt in der Stadt wohnen und das Gefährt gleichzeitig auch unser fahrbares Urlaubszimmer ist.

Warum schreibe ich das Alles?

Ich will verdeutlichen, dass Lastenräder wirklich urbane (Platz-)Probleme lösen können und in Zukunft auch werden. Für manche kann es das Auto komplett ersetzen, für andere das Zweitauto oder einfach eine sinnvolle und stressfreie Ergänzung abseits der Hauptstraßen sein.

Insofern darf man den Buchtitel gerne wörtlich nehmen:

Car go! oder besser Car is over! um dann zu ergänzen: Bike Boom!!!

Die „Invasion“ ist aus meiner Sicht nicht aufzuhalten und ich freue mich über jedes weitere Transportrad, das die Stadt lebenswerter macht, weil aktiv Abgase vermieden werden und gleichzeitig mehr Platz für Menschen geschaffen wird.

Geliefert wurde das Buch zwar mit „leichter“ Verspätung (zwei Jahre) nun Anfang April, aber das Warten hat sich gelohnt.

Entsprechend der Aussage von Jürgen Ghebrezgiabiher kann das Buch als das erste Standardwerk über Lastenräder bezeichnet werden, weil es das ganze Thema erstmalig möglichst umfassend betrachtet.

Sei es historisch, technisch, soziokulturell und natürlich auch, weil die Akteure und Entwicklungen der jüngeren Zeit vorgestellt werden.

Ihr wollt noch ein wenig mehr über die Macher und den Inhalt des Buches wissen?

Dann sei dir ein Blick in das digitale Inhaltsverzeichnis sowie ein jüngst aufgezeichnetes Interview beim Fahrrad-Podcast „Antritt“ von detektor.fm zu empfehlen:

Gerolf Meyer und  Christian Bollert im Gespräch mit dem Autor Jürgen Ghebrezgiabiher

Um ein Haar hätte ich fast noch vergessen zu erwähnen, dass wohl deutlich mehr als die Hälfte aller Lastenräder auf dieser Welt aus Stahl bestehen. Somit wäre dann auch der Bezug zu dieser Seite hergestellt, falls dieser bis dato nicht vorhanden war. Genaue Zahlen habe ich nicht, aber in puncto Dauerfestigkeit hat das Material unserer Wahl wohl einfach die Nase vorn, was bei diesem Einsatzweck einfach elementar ist.

Du willst das Buch kaufen?

Dann mach dir selbst und dem örtlichen Handel einen Gefallen.

Bestell diesen feinen Lesestoff nicht über Amazon und Konsorten, sondern bei deiner Buchhandlung ums Eck. Meine kann fast jedes Buch auch über Nacht kostenlos besorgen und es gibt wohl Schlimmeres als selbiges dann mit dem Rad abzuholen, getreu dem Motto #supportyourlocalbookdealer


  • Titel: Cargobike Boom – Wie Transporträder unsere Mobilität revolutionieren
  • Autoren: Juergen Ghebrezgiabiher, Eric Poscher-Mika
  • MAXIME Verlag, 2018; 224 Seiten; Softcover,
  • Fadenheftung; 17,0 x 24,0cm, 790g, durchgehend farbig bebildert
  • 27,00 € (D), 27,80 € (A);
  • ISBN 978-3-906887-04-3