Nach meinem Kenntnissstand gibt es besagtes Rennen leider nicht mehr, aber die Idee, die Ausführung und die Varianz an Teilnehmer gefällt noch immer. Man könnte es auch mit einem Film-Zitat eines „Klassikers“ sagen: Endlich normale Leude!

Der Stahl-Anteil dürfte sehr hoch gewesen sein, genauso wie die Ernsthaftigkeit der Veranstaltung, aber seht selbst!

Built Wright in the USA

Die Gebrüder Wright sind wohl jedem ein Begriff: Als Pioniere der Luftfahrt.

Aber bevor sie geflogen sind, sind sie gefahren.

Erstes Flugzeug der Welt – Flyer 1 – Wikimedia

Bevor Wilbur and Orville Wright im wahrsten Sinne des Wortes abhoben, verdienten sie ihr Geld als Fahrradmechaniker und kurz vor ihren ersten Schritten als Flugpioniere auch als Hersteller von Fahrradrahmen.

The Wright Brothers™ Handcrafted in the USA

Nach mehr als einhundert Jahren gibt es nun wieder Räder, die von den Gebrüdern Wright inspiriert und gleichzeitig ihnen gewidmet sein sollen. Gebaut werden die Rahmen bei Co-Motion aus Reynolds 725, die dann mit möglichst vielen US-Komponenten in ihrer Heimatstadt Dayton bestückt werden.

Built Wright in the USA ist somit nicht nur ein sehr treffliches Wortspiel, sondern auch Tatsache, weil wohl deutlich mehr als 50 Prozent Wertschöpfung innerhalb der Staaten erbracht wird.

Die Wright Brothers Cycle Company beruft sich auf den Geist der Innovation, Beharrlichkeit und des unermüdlichen Strebens nach Perfektion, die die Brüder Wright selbst ausstrahlten.

Das mag ein wenig viel Pathos sein, aber die Tatsache sage und schreibe acht Rahmengrößen anzubieten, s0llte sicherstellen, dass das Fahrgerät perfekt passt.

Angeboten werden zwei Versionen, die sich farblich und in der Austattung unterscheiden.

St. Clair

mit Kette und Alfine 8 für 3950$.Van Cleve

mit Gates Zahnriemen und mehr Bandbreite dank Alfine 11 für 4750$.

Das sind auf jeden Fall sportliche Preise und wem das viel zu teuer ist, kann wenigstens standesgemäß mit einem T-Shirt dahingleiten.

Ansonsten, wie kann es anders sein, werden unter anderem auch Fliegerjacken und Sonnenbrillen im Namen der Gebrüder vertrieben.

Ein wenig entsteht dann doch der Eindruck, dass der Name der Wright maximal ausgeschlachtet werden soll, aber am Ende ist es vielleicht trotzdem eine schöne Art des Andenkens an zwei echte Pioniere.

 

Wie entsteht eigentlich ein Brompton?

Die wohl durchdachten und äußerst langlebigen Falträder von Brompton kennt wohl fast jeder, aber was nicht jeder weiß ist, dass die komplette Fertigung inkl. Rahmenbau in London stattfindet. Besonders ist auch, dass die Rahmen hartgelötet und nicht, wie heutzutage üblich, WIG-geschweißt sind.

Im folgenden Video kann man schön den kompletten Prozess verfolgen:

 

Lastenrad mal anders?

Ich dachte eigentlich, dass ich den Markt der Lastenräder ganz gut kenne, aber weil die Szene sehr stark wächst, wenn nicht nicht sogar explodiert, bin ich über das Bastiaen Cargo Bike erst auf der Spezialrad-Messe in Germersheim gestolpert.

Grundsätzlich basiert das Rad auf einem Long John, das heißt Ladefläche zwischen Lenksäule und Vorderrad, ABER jetzt kommt’s!

Das Gefährt hat keine klassische Gabel, sondern eine sogenannte Achsschenkel-Lenkung, die das Rad nicht nur sehr agil und kompakt macht, sondern auch sehr besonders aussehen lässt.

Beim allerersten Prototypen 2011 wurde noch ein Lenksystem eines schrottreifen italienischen Rollers verwendet, das wohl auch wegen des vergleichsweise fetten Reifens für sehr viele positive Rückmeldungen sorgte.

Daraufhin folgte 2016 der Entschluss des diplomierten Designers Sven Bastiaen Schulz ein komplett eigenes Lastenrad zu konzipieren und die Art der Lenkung auf Fahrradtechnik anzupassen und so deutlich Gewicht einzusparen.

So kommt es, dass einige Sonderteile angefertigt werden müssen. In Sebastian Lindler aka SeLi fand Schulz einen Mitstreiter für weitere Prototypen und eine erste Kleinserie. In Zukunft werden die Rahmen von einem Fertiger, laut Schulz, in den Niederlanden hergestellt.

Spannend finde ich vor allem die Transport-Kiste, die aus sehr leichten Glasfaser-Sandwichplatten besteht und auf Wunsch individuell hergestellt und angepasst werden kann. So können im aufgeklappten Zustand und mit entsprechender Austattung zwei Kinder transportiert werden.

Aber auch die Möglichkeit, insbesondere für gewerbliche Anwendung, einen Aufbau mit item D30-Profilen zu realisieren ist ein Ansatz, den ich so noch nicht gesehen habe.

 

  • bis zu 50% mehr Ladevolumen, bei sehr leichter und vermutlich abschließbarer Box
  • 20% kürzer und entsprechend agiler
  • Mit nur 19kg leichter als fast alle Mitbewerber
  • Optimale Einleitung der Bremskräfte ohne langen Hebelarm der Gabel
  • Integrierte face-to face Kindersitzbank fördert Kommunikation mit Eltern
  • Beförderung von Kindern auch bei sportlicher Sitzposition mit tiefem Lenker möglich
  • Rückenlehne hält während der Fahrt 80% des Regens ab, auch ohne Canopy

Ein Nachteil soll nicht verschwiegen werden. Mit aufgeklappter Rückenlehne entspricht der Windwiderstand einer sprichwörtlichen Schrankwand. In der Stadt ist das nicht wirklich störend, aber auf freiem Feld bei Gegenwind entwickelt sich das eventuell zu echtem Sport. In Serie soll der Windwiderstand durch einen gewölbten Deckel verringert werden.

Erst kürzlich wurde laut eigenem Blog Bastiaen Nr. 9 ausgeliefert. Ein grüner Flitzer mit Rohloff-Nabe:

Sehr spannend finde eine Anleitung zum Eigenbau eines Lastenrades mit besagter Lenkung, die Schulz selbst erstellt und zur Verfügung gestellt hat. Eventuell auch, weil er bereits 1991 mit einem Lastenrad-Eigenbau infiziert wurde.

Wer die Geschichte zum Bastiaen ganz ausführlich wissen will, dem sei der folgende Artikel bei Fahrradzukunft empfohlen: Artikel Fahrradzukunft


Preis: ab 4000€

weitere Informationen: Bastiaen Cargo

alle Bilder von der Herstellerseite

Nach unserem letzten Post über Dario Pegoretti und seine Art, also seine Kunst, bekommt man im heutigen Video eventuell einen guten Eindruck über seine Art als Mensch, aber auch was er über das Material Stahl denkt.

Of Steel from RAPHA on Vimeo.